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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Jagdszenen aus Niederbayern

50 Jahre Oberhausener Manifest - mit Vortrag

Regie: Peter Fleischmann Buch: Peter Fleischmann (nach dem Theaterstück von Martin Sperr) Kamera: Alain Derobe Darsteller: Martin Sperr, Angela Winkler, Else Quecke, Michael Strixner, Maria Stadler, Hanna Schygulla Produktion: D, 1968/69 Länge: 85 min. Fassung: 16 mm, Bayr. OmU

Mit Vortrag „Die Wiedergeburt des deutschen Films – 50 Jahre Oberhausener Manifest“ von Filmkritikerin Jennifer Borrmann.

Während der Pressekonferenz am 28.02.1962 verlas der Regisseur Ferdinand Khittl im Rahmen der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage in Oberhausen das so genannte "Oberhausener Manifest". Es endete mit den Worten "Der alte Film ist tot. Wir glauben an den Neuen" und läutete damit den Beginn der Schaffenszeit einer sich nun organisierenden jungen Filmemachergemeinschaft ein.

Peter Fleischmanns Spielfilmdebut "Jagdszenen aus Niederbayern", das sechs Jahre später nach einem Theaterstück entstand, gilt als Vertreter der Frühphase dieses Jungen Deutschen Films. Mikrokosmos Dorf, ca. 1948: Es ist Sonntag, alle Dorfbewohner befinden sich im Gottesdienst, im Zentrum steht der Pfarrer, gemeinsam wird ihm auf Latein geantwortet. Nicht nur einzelne Close-Ups von Gesichtern verstärken den Eindruck von Gemeinschaft und Gruppendynamik. Nach der Messe kehrt Abram (MS) in sein Heimatdorf zurück. Schnell treten die Dörfler mit böswilligen Gerüchten und Vorwürfen hervor: Hinter vorgehaltener Hand - schwul, Gefängnis... – aber auch ganz offen gewalttätig und lautstark. Aber nicht nur Abram steht dabei im Fokus: Die ersten türkische Gastarbeiter, eine in wilder Ehe lebende Witwe (GS), die Dorfhure Hannelore (AW) und Marias geistig behinderter Sohn Ernstl (JL) sind nicht in die Dorfgemeinschaft integriert – die eine wartet nicht die gewohnte Trauerzeit ab, um eine neue Partnerschaft einzugehen, die andere schläft gegen Bezahlung mit Männern des Dorfes und die Gastarbeiter und Ernstl werden von vorherein als andersartig stigmatisiert. Das Böse lauert hier wie später in Lars von Triers "Dogville" und Michael Hanekes "Das weiße Band" im Kollektiv des Dorfes. Es herrscht Pogromstimmung gegen alles, was nicht passt. Die Bilder sind in Schwarz-Weiß gehalten und brechen damit bereits visuell das heimelige Idyll des Landlebens. Auch die Dialoge (sehr naturalistisch in bayerischem Dialekt) lassen bald erkennen, dass ein Happy-End in weite Ferne rücken muss: „Ich habe ihn halb tot geschlagen, ich schwör's. Ich kann nichts dafür, dass eine Drecksau draus geworden ist“ (Abrams Mutter Barbara).

Text: aka, Jennifer Borrmann

Spieltermin:
Freitag, 25.05.2012 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

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