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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Offside

Regie: Jafer Panahi Buch: Jafar Panahi, Shadmehr Rastin Kamera: Mahmood Kalari Musik: Korosh Bozorgpour Darsteller: Sima Mobarak Shahi, Safar Samandar, Shayesteh Irani, Mohammad Kheyrabadi, Ida Sadeghi, Golnaz Farmani, Mahaz Zabihi Produktion: Iran, 2006 Länge: 88 min. Fassung: 35 mm, Pers. OmU

Rahmenhandlung dieses Films ist das Länderspiel Iran–Bahrain, durch das sich der Iran seinerzeit doch noch für die Weltmeisterschaft in Deutschland qualifizierte. Im Zentrum steht allerdings die Geschichte einer Gruppe junger und fußballverrückter Mädchen, die als Jungen verkleidet versucht, sich entgegen aller Verbote ins Stadion zu schmuggeln.
Panahis Film wählt als Erzählweise die Form eines Dialoges der offiziellen Moral, vertreten durch die wachhabenden Soldaten, mit den auf sympathische Weise rotzfrechen Mädchen. Dadurch gelingt es, die Absurdität des Frauen-Verbotes in Fußballstadien auf sachliche Weise zu artikulieren. So konnten sich sowohl reformorientierte Kinogänger als auch politische Hardliner und, vom Ergebnis her gesprochen, auch die Zensur mit den auftretenden Positionen identifizieren. Offside ist das spannende und sehr unterhaltsame Spiegelbild einer Zeit, in der das Regime des Iran versuchte, gesellschaftliche Reformen und die moralische Öffnung der vorangegangenen Jahre zurückzudrängen. Doch Panahi stellt diesen Repressionen einen anderen, an echter liberal-pluralistischer Vielfalt orientierten Iran, der seine Positionen mit aufmüpfigem Selbstbewusstsein artikuliert, entgegen.
Am Ende des Films wird allen sieben Toten bei einer Massenpanik nach dem Spiel Iran–Japan gedacht. Damit stellte sich Regisseur Panahi der offiziellen Regierungsangabe von sechs Toten, entgegen. Ein verdeckter Schlag ins Gesicht der iranischen Behörden, der der Zensur offenbar nicht aufgefallen ist. Mittlerweile ist Panahi zu einer Symbolfigur der Unterdrückung von Oppositionellen im Iran geworden. Neun Monate nach den mutmaßlich gefälschten Präsidentschaftswahlen 2009 wurde der die Opposition offen unterstützende Filmemacher im März 2010 wegen „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit und Propaganda gegen die Regierung" entführt und zu sechs Jahren Haft und zwanzig Jahren Berufsverbot verurteilt. Der für ihn vorgesehene Jurorenstuhl bei der Berlinale 2011 blieb demonstrativ leer.

Text: Martin Koch, Philippe Bourdin

Spieltermin:
Donnerstag, 24.05.2012 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Iran - politisch, historisch, mythisch
 Freitag  27.04.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Nader und Simin - Eine Trennung
 Donnerstag  03.05.2012  20:00 Uhr  Dt. OV  The Green Wave
 Freitag  11.05.2012  19:00 Uhr    Persepolis + Huhn mit Pflaumen
 Freitag  18.05.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Zeit des Zorns
 Donnerstag  24.05.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Offside
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