aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Was bleibt

Regie: Hans-Christian Schmid Buch: Bernd Lange Kamera: Bogumil Godfrejow Musik: The Notwist Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote Produktion: D, 2012 Länge: 84 min. Fassung: 35 mm, Dt. OV

Was bleibtEs ist Heimfahrwochenende: Marko (LE), semi-erfolgreicher Jungschriftsteller aus Berlin Anfang 30, fährt mit seinem Sohnemann nach Bonn zu den Eltern, um dort das Wochenende zu verbringen. „Futtern und ausschlafen“ möchte er. Im Gegensatz zu seinen Eltern, die sich eine gemeinsame und harmonische Zeit wünschen - „kommt selten genug vor“. Es scheint auf den ersten Blick alles intakt: Die Familie ist wohlhabend, der Vater (ES), ein erfolgreicher Verleger, kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand, die Kinder sind aus dem Haus und haben sich gut entwickelt. Doch als Mutter Gitte (CH) beim gemeinsamen Abendessen der Familie verkündet, eigenmächtig die Antidepressiva abgesetzt zu haben, ist das eine Art Auslöser und es zeigt sich, dass hinter dem schönen Familienschein seit Jahren tiefschürfende Konflikte schwelen, die nun, im Rahmen dieses Wochenendes, scheibchenweise manifest werden. Die auf den ersten Blick intakte Familie wird nach und nach in ihre Einzelteile zerlegt.

Wir kennen das vielleicht: Man fährt nach Hause, hofft auf ein schönes Wochenende und alles kommt anders als man denkt (s. auch: Weihnachten). Demnach möchte Hans-Christian Schmid nach eigener Aussage auch ein junges, studentisches Publikum ansprechen. Spannend ist es, die Dekonstruktion und den Umbruch des familiären Mikrokosmos’ in Was bleibt zu beobachten, was ganz hervorragend gelingen kann aufgrund der kammerspielartigen Inszenierung und dank der Beobachtungsgabe von Schmid und dessen Drehbuchautor Bernd Lange, die von eigenen Erfahrungen zu diesem Film inspiriert wurden. Die große Stärke des Films ist, dass er trotz des konfliktbeladenen Stoffes keine der Figuren anprangert. Schmid portraitiert ohne erhobenen Zeigefinger und ohne am Ende ein eindeutiges Fazit vorzugeben; die Schlüsse können wir selbst ziehen.
Was bleibt ging im Trubel um Petzolds Barbara im Wettbewerb der Berlinale etwas unter. Was schade ist, denn der Film ist ein intensives Familiendrama, eine erschreckend gut beobachtete und von einem hervorragenden Ensemble getragene Milieustudie, die in ihrem stärksten Moment, einer Gesangsszene, das ganze Problem in einem Augenblick auf den Punkt bringt.

Was bleibt ist auch Teil der Reihe Neuer deutscher Film – Zeit der Umbrüche.

Text: Johannes Litschel

Spieltermin:
Dienstag, 23.04.2013 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Das Rennen um den Goldenen Bären
Best of Berlinale-Wettbewerb 2012
 Dienstag  23.04.2013  20:00 Uhr  Dt. OV  Was bleibt
 Dienstag  02.07.2013  20:00 Uhr  It. OmU  Cäsar muss sterben
 Dienstag  09.07.2013  20:00 Uhr  Port. OmU  Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld
 Dienstag  16.07.2013  20:00 Uhr  Fr. OmU  Winterdieb
News
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon