aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Pussy Riot: A Punk Prayer

Originaltitel: Pokazatelnyy protsess: Istoriya Pussy Riot

Mit Einführung von RDL-Redakteurin Svetlana Boltovskaja

Regie: Mike Lerner, Maxim Pozdorovkin Buch: Mike Lerner Kamera: Antony Butts Musik: Simon Russell Darsteller: Maria Aljochina, Jekaterina Samutsevich, Nadeschda Tolokonnikova Produktion: RUS/ GB , 2013 Länge: 88 min. Fassung: DVD, Russ. OmeU

Auch wenn manch einer ihnen ihre gemeinsamen Auftritte mit dem ehemaligen Chef eines Erdölkonzerns, dem ruchlosen Oligarchen und verurteilten Dissidenten Chodorkowski übelnimmt, auch wenn oder gerade weil Nadja und Mascha in jüngster Vergangenheit nicht mit ihrem politischen Engagement für Inhaftierte in den Fokus der Medien geraten, sondern weil sie bei McDonalds-Besuchen von Nationalisten und in Sotschi von Sicherheitskräften verprügelt werden: die Frauen aus dem Künstlerinnenkollektiv Pussy Riot gelten unumstritten als Heldinnen.

Für 40 Sekunden "Punkgebet" in der Moskauer Erlöserkirche am 21. Februar 2012 werden Nadeschda "Nadja" Tolokonnikova und Maria "Mascha" Aljochina zu zwei Jahren Arbeitslager im abgelegenen Norden des Landes verurteilt. Ihre Mitstreiterin Jekaterina "Katja" Samutsevich kommt gerade so mit einem Freispruch davon. Der Verband von Richter*innen und Staatsanwält*innen in Deutschland sagt im August desselben Jahres, die russische Justiz verliere ihre Unabhängigkeit. Und doch ist dies ganz und gar kein bierernster Film - wenn beispielsweise Archivmaterial von Verhören hineingeschnitten wird und Nadja ihren Gegenüber erst schmunzelnd ermutigen muß, das Wort "pussy" ungeniert in den Mund zu nehmen; wenn die drei mit ihrer Schlagfertigkeit bei der Obrigkeit für Sprachlosigkeit sorgen oder frühere öffentlichen Kuss-Performances in der U-Bahn dokumentiert werden, dann entlockt es dem Publikum herzliche Lacher. Spätestens nach 88 Minuten werden sie allseits bewundert: Der Kampfgeist und die Aufmüpfigkeit bleibt in dem zermürbenden Prozess ungebrochen, die Plädoyers der jungen Frauen gegen die Autorität von Staat und Kirche zeugen von Reife und Stärke. Der britische Filmemacher Mike Lerner und sein russischer Kollege Maxim Pozdorovkin haben den ganzen Fall aufgerollt.

Pussy Riot: A Punk Prayer wurde bei den British Independent Film Awards 2013 zum Besten Dokumentarfilm gekürt und bekam den ‘Besonderen Preis der Jury’ beim US-amerikanischen Sundance Film Festival im gleichen Jahr. Nadja und Mascha wurden im Übrigen nach Beendigung der Dreharbeiten - im Dezember letzten Jahres, kurz vor dem Absitzen ihrer Strafe und auch kurz vor den olympischen Winterspielen in Sotschi - in Folge eines Amnestiegesetzes von Putin begnadigt.

Text: Meike Bischoff

Spieltermin:
Dienstag, 29.07.2014 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

News
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon