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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Wovon träumt das Internet?

Originaltitel: Lo and Behold, Reveries of the Connected World

Regie&Buch: Werner Herzog Kamera: Peter Zeitlinger Musik: Mark Degli Antoni, Sebastian Steinberg Darsteller: Elon Musk, Danny Hillis, Leonard Kleinrock Produktion: USA, 2016 Länge: 98 min. Fassung: BR, En. OmU

Werner Herzog erklärt das Internet. Und wer könnte hierzu besser geeignet sein als der 75-jährige Regisseur, den es schon seit Beginn seiner Karriere an die abgelegensten Ecken der Erde zieht, wo er Abgründe von natürlicher wie menschlicher Gewalt ergründet? Obwohl der gebürtige Münchner mit seinen Exkursionen in Urwälder und Wüsten bisher einen großen Bogen um die Komplexitäten einer technologisierten Gesellschaft gemacht zu haben scheint, begibt er sich hier auf eine Spurensuche in die digitale Welt, wo er sich im gewohnt intelligenten und provokativen Stil mit dem Themenkomplex Internet und Vernetzung auseinandersetzt. In 10 Kapiteln versucht vor allem die Wechselwirkungen zwischen digitalen Technologien und menschlichem Dasein zu ergründen. Sein Blick schweift hierbei von den bescheidenen Anfängen des Internets zu düsteren und helleren Zukunftsvisionen der künstlichen Intelligenzen, von dem Erfinder der Internet-Technologie, über Elon Musk zu den Mitgliedern einer abgeschirmten Gemeinschaft tatsächlicher Netz-Allergiker in den Wäldern Oregons. Auf wundersame Weise schafft der Regisseur es hierbei Gesprächspartner zu finden, die fast so schräg sind wie Herzog selbst und ebenso faszinierende Einsichten in die offenen Fragen einer digitalen Gegenwart und Zukunft bieten. Der Ton des Films ist hierbei weder optimistisch noch pessimistisch, sondern vor allem nachdenklich.
Lo and Behold ist – wie so viele von Herzogs (dokumentarischen) Werken – ein Film, der vor allem einen einmaligen Einblick in die Interessen und Eigentümlichkeiten des Regisseurs selbst bietet. Doch glücklicherweise gibt es wenige Filmemacher, die auf unkonventionellere und eindrücklichere Art und Weise ein Publikum an ihrer eigenen Interpretation der Welt teilhaben lassen können, ohne dabei mit der Beantwortung der eigenen Fragen die tiefgreifenden Denkanstöße zu verwässern, die der Film im Minutentakt zu geben weiß.

Text: Paulo Holldack

Spieltermin:
Donnerstag, 05.07.2018 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

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