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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Good Bye, Lenin

Regie&Buch: Wolfgang Becker Kamera: Martin Kukula Musik: Yann Tiersen Darsteller: Daniel Brühl, Katrin Saß, Maria Simon, Chulpan Khamatova, Florian Lukas, Alexander Beyer Produktion: Deutschland, 2003 Länge: 121 min. Fassung: 35mm, DF

DDR 1989, kurz vor dem Mauerfall: Christiane Kerner (KS) ist auf dem Weg zum Palast der Republik, wo die DDR-Musterbürgerin anlässlich des 40. Jahrestages der DDR eine Ehrung entgegennehmen soll. Unterwegs sieht sie, wie Sohn Alexander (DB) auf einer Demonstra-tion von der Polizei brutal zusammengeschlagen und abgeführt wird. Sie erleidet einen Infarkt und fällt ins Koma. Als sie wieder erwacht, sind entscheidende Monate vergangen: Die DDR gibt es nicht mehr. Da jede größere Aufregung seine Mutter ins Grab bringen würde, verschleiert ihr Sohn diese Tatsache vor seiner Mutter, richtet ihr Zimmer im DDR-Stil ein und klebt alte Etiketten auf die neuen Westkonserven. Doch dann entdeckt die Mutter eine riesige Coca-Cola-Reklame vor dem Fenster und zahlreiche Wessis, die neu ins Viertel einziehen. Statt mit der Wahrheit herauszurücken, spinnt Alexander die Lüge immer weiter – was am 03.10.1990 zwar auch in der deutschen Einheit mündet, allerdings unter anderen Vorzeichen.

Ein gutes Jahrzehnt nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung hat sich auf beiden Seiten Ernüchterung breit gemacht. In den „blühenden Landschaften“ des Wilden Ostens blüht vor allem eines: die Ostalgie. Schon mit Sonnenallee (ebenfalls dieses Semester im aka zusehen: siehe Seite 45) fand sie vor einigen Jahren filmischen Ausdruck. Vollkommen zurecht wurde Good Bye, Lenin zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm seit Jahren, zum Abräumer zahlloser deutscher Filmpreise. Verständlich angesichts der überragenden schauspielerischen Leistung und dem gekonnten Umgang mit DDR-Klischees. Manchmal gleitet der Film etwas ins Sentimentale ab, doch fast immer gelingt der Brückenschlag zwischen kreativem Witz bei der Wiederherstellung der DDR und Nachdenklichkeit über den Ablauf der deutschen Wiedervereinigung. Von der selbstgedrehten „Aktuellen Kamera“, die aufdeckt, dass Coca Cola in Wahrheit von der DDR erfunden wurde, über die Flüchtlingswellen aus dem kapitalistischen Elend des Westens und die verzweifelte Suche nach Spreewaldgurken bis hin zur Wiedervereinigung der BRD mit der DDR unter dem Staatsratsvorsitzenden Sigmund Jähn – Alexander muß so einiges aufbieten, und dem Zuschauer wird so manches zum Lachen und zum Nachdenken geboten.

Text: DW

Spieltermin:
Dienstag, 14.10.2003 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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