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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Die Verachtung

Originaltitel: Le mépris

Regie: Jean-Luc Godard Buch: Jean-Luc Godard, nach einem Roman von Alberto Moravia Kamera: Raoul Coutard Musik: Georges Delerue Darsteller: Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Giorgia Moll, Fritz Lang Produktion: Fr/It, 1963 Länge: 95 min. Fassung: 35mm, OmU

Der Drehbuchautor Paul (MP) soll für Fritz Lang, der gerade die Odyssee verfilmt, das Skript umschreiben. Es kommt zum Ehekrach mit seiner Frau Camille (umwerfend: BB), die beiden fahren schließlich trotzdem zu den Dreharbeiten nach Capri, es gibt eine Affäre, und das war‘s auch schon.

Trotz des einfachen Plots ist Godards erster teuerer Film einer der komplexesten der Filmgeschichte. Godard erreicht ein unerhörtes Maß an Selbstreflexivität: Immer wieder kreisen die Gedanken des Produzenten, des Drehbuchautors und Fritz Langs (der sich selbst spielt) darum, was die Kunst „Film“ in der Welt soll. Die Kunstvorstellungen der alten Griechen, die noch zur großen Tragödie fähig waren, werden der Kunst der Moderne gegenüber gestellt. Im Hintergrund lesen wir Zitate der Gebrüder Lumiére, der Begründer des Kinos.

Dabei hat Die Verachtung eine ganz eigene Ästhetik. Es herrscht eine durchgehend strenge Farbdramaturgie vor: In den Innenszenen findet man praktisch ausschließlich die Farben der Tricolore, Rot, Weiß und Blau; außen dagegen herrschen Ocker- und Gelbtöne vor. Die mitreißende Filmmusik stellt Bezüge zwischen den Figuren her. Ein Netz von Abhängigkeiten und Verbindungen zieht sich durch den Film. Der Ehestreit von Paul und Camille spiegelt sich in der Beziehung von Odysseus und Penelope, es geht um Liebe und um Krieg in der Antike und heute, um Wahrheit und Lüge in der Liebe, um Wahrheit und Fiktion in der Kunst. Noch dazu herrscht eine babylonische Sprachverwirrung vor: Der Produzent redet Englisch, Fritz Lang meistens Deutsch, der Rest Französisch, und alles wird von der Dolmetscherin hin und her übersetzt – und trotzdem funktioniert die Kommunikation nicht.

Auch in diesem Film begegnen wir immer wieder dem ironischen Selbstbezug, als Beispiel sei nur genannt, dass Fritz Lang über das Cinemascope-Format (Extrem Breitwand) sagt, es sei doch nur für Schlangen und Särge, aber nicht für Menschen geeignet – aber der Film selbst ist in betörend schönen Scope-Bildern gefilmt.

Ein Meilenstein der Filmgeschichte, und einer der wichtigsten Filme über das Kino.

Spieltermin:
Dienstag, 10.02.2004 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Was ist Kino?
 Dienstag  13.01.2004  19:45 Uhr  DF  Fellinis Intervista
 Dienstag  20.01.2004  19:30 Uhr  OmU  Der Stand der Dinge
 Dienstag  27.01.2004  19:45 Uhr  OF  Adaption
 Dienstag  03.02.2004  19:45 Uhr  DF  Die amerikanische Nacht
 Dienstag  10.02.2004  20:00 Uhr  OmU  Die Verachtung
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