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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Schultze gets the Blues

Regie&Buch: Michael Schorr Kamera: Axel Schneppat Musik: Thomas Wittenbecher Darsteller: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller, Ursula Schucht, Hannelore Schubert, Erwin Meinicke Produktion: Deutschland, 2003 Länge: 114 min. Fassung: 35 mm

Schultze gets the Blues„Glück auf, der Steiger kommt!“ Gerührt nimmt Schultze (HK), Bergmann und nun Frührentner irgendwo in Sachsen-Anhalt, seine Verabschiedung zusammen mit seinen Kali-Kumpels entgegen. Privat ist er Akkordeonspieler – mit Leib und Seele. So ist sein nächstes Ziel der Wettbewerb des Musikvereines, wo er mit einer Polka auftreten will.

Das faszinierende Spielfilmdebüt Schorrs ist kein Schnittgewitter mit schneller Handlung, aber dennoch sehr bildgewaltig. Der aus der Doku-Szene stammende Regisseur gibt dem Film durch Bilder seinen einzigartigen Stil der Ruhe und Ausdrucksstärke durch die Bilder, so dass auch die Dialoge auf das nötigste beschränkt sind.

Episodenhaft werden nun die verschiedenen Stadien einer Suche nach dem privaten Glück bzw. einem neuen Ziel gezeigt. Die statische Gesellschaft, die Schultze umgibt und aus welcher er gern ausbrechen möchte, wird anfänglich durch lange Kameraeinstellungen erfasst. Als er im Radio ein ihm unbekanntes feuriges Akkordeon-Stück hört, flammt sein Wunsch richtig auf. Er verfällt der Zydeco-Musik, sie lässt ihn nicht mehr los, sie ist der Weg in eine andere Welt.

Diese melodisch einzigartige Musik-Richtung über Liebe und Schönheit des Landes ist die schwarz-kreolische Version der Cajun-Musik (der Volksmusik Louisianas). Durch den afrikanischen Einfluss basiert sie sehr auf Rhythmus und ist durch Stilrichtungen wie z.B. den Rhythm’n’Blues, Latin-R&B und TexMex geprägt worden. Für Schorr ist dies sicher ebenso eine Hommage an die Verknüpfung zu Deutschland, denn deutsche Siedler haben das Akkordeon mitgebracht, so dass dieses Instrument erst nach der Geige in die Cajun-Musik integriert wurde.

So kommt es, dass Schultze mit dieser Musik auftritt. Das Rentnerpublikum ist schockiert. Sie können mit dieser seltsamen „Negermusik“ nichts anfangen – ein Bruch im Film, denn Schultze entschließt sich darauf, nach Louisiana zu gehen. Seine Kumpels, einer Art Zwangszynismus verfallen, sind sich schnell sicher: Schultze hat schon seine erste Platte aufgenommen. Aber der Zuschauer begleitet Schultze auf seiner wahren Reise, und mit ihm zusammen erlebt und trifft er skurrile Plätze und Menschen.

Schultze wirkt aufgrund des glaubwürdigen Spiels von Horst Krause (bekannt aus der ARD-Serie Polizeiruf 110 als Revierpolizist Krause und einigen Nebenrollen wie in Bucks Wir können auch anders) nicht oberflächlich, obwohl er ein schnörkelloser und einfacher Zeitgenosse ist. Der Film lebt neben den hervorragend komponierten Bildern von Axel Schneppat auch von seiner Situationskomik, ist aber keine Komödie im eigentlichen Sinne, da Aspekte des Dramas und Musikfilms einfließen.

Am Anfang erhalten Schultze und Kumpels zum Abschied je eine Lampe aus Salzstein - als Schlusspunkt sozusagen, bis einer von ihnen eine einsteckt: Sie leuchtet!

Spieltermin:
Mittwoch, 13.07.2005 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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