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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Sein oder nicht sein

Originaltitel: To Be or Not to Be

Regie: Ernst Lubitsch Buch: Melchior Lengyel, Edwin Justus Mayer Kamera: Rudolph Maté Musik: Werner R. Heymann, Miklós Rózsa Darsteller: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressare, Lionel Atwill, Stanley Ridges Produktion: USA, 1942 Länge: 99 min. Fassung: 35mm, s/w

Sein oder nicht seinWer bei diesem Film eine weitere Shakespeare-Verfilmung erwartet, soll gewarnt sein. Wenn das Theaterstück auch Teil der Handlung ist, gilt der Titel eher im übertragenen Sinne seiner Bedeutung, die hier den Akteuren überlebenswichtige Entscheidungen in den Wirren des zweiten Weltkrieges und der Nazizeit abverlangt.
Nach der Besetzung Polens 1939 durch deutsche Truppen muss ein Warschauer Theater schließen. Die Schauspieler im Film nutzen jedoch ihr Talent und die für ein Anti-Nazi-Stück hergestellten Uniformen und Kostüme als Waffe im Untergrundkampf. Unfreiwillig zu Partisanen geworden, überlisten sie die Gestapo und Wehrmacht und spielen für diese um ihr Leben...
Ernst Lubitsch verspottet hier mit seinem wohl raffiniertesten Film die Nazis und ihre Weltanschauung. Diese derbe Satire und zugleich Liebesromanze war allerdings sehr gewagt und zeigte auf, dass die Nazis unterschätzt wurden, wie sich kurz danach u.a. mit dem Holocaust herausstellen sollte. Deshalb sah auch Lubitsch sich zu einer - wenn auch ironischen - Rechtfertigung veranlasst: "Ich habe drei Todsünden begangen, so scheint es - ich habe die üblichen Genres missachtet, als ich Melodrama mit komischer Satire und sogar mit Farce verband, ich habe unsere Kriegsziele gefährdet, weil ich die Nazibedrohung verharmloste, und ich habe außerordentlich schlechten Geschmack bewiesen, weil ich das Warschau von heute als Schauplatz für eine Komödie wählte." (New York Times vom 29.03.1943)
Aber indem er die faschistischen Machtrituale als bösartige Täuschung entlarvt, karikiert Lubitsch die Aspekte des Nationalsozialismus, beschreibt die Nazi-Schergen als Schmierendarsteller und überführt sie mit deren eigenen Mitteln der Lächerlichkeit.
Seine einmalige Filmästhetik, die als "Lubitsch Touch" bezeichnet wird, überzieht die Handlung auf dramatischste Weise. Das Publikum wird von der Handlung mitgerissen, da diese das Undenkbare, Ungeheure, ja Köstliche und Verwirrende bis zum großen Lacher steigert. Der Film landet aufs Schmerzlichste und treffsicher auf dem Punkt und ist damit ein wichtiger Beitrag für die Verarbeitung dieser Zeit. Die vielen ausgefeilten und durchdachten Aspekte des Films machen ihn zu einem einmaligen Ereignis. Das Remake von Mel Brooks als reines Slapsticktheater aus dem Jahre 1983 verblasst dagegen jämmerlich.

Spieltermin:
Mittwoch, 07.12.2005 19:45 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Exilregisseure in Hollywood
Lubitsch, Zinnemann und Wilder
 Dienstag  06.12.2005  20:15 Uhr    Vortrag: Über Hitler lachen ?
 Mittwoch  07.12.2005  19:45 Uhr    Sein oder nicht sein
 Mittwoch  14.12.2005  20:00 Uhr    Zwölf Uhr mittags
 Mittwoch  21.12.2005  19:30 Uhr  OmU  Manche mögen's heiß
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