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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Raging Bull ? Wie ein wilder Stier

Originaltitel: Raging Bull

Regie: Martin Scorsese Buch: Paul Schrader, Mardik Martin, endgültige Kamera: Michael Chapman Musik: Diverse Darsteller: Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci, Frank Vincent, Nicholas Colosanto, Frank Adonis Produktion: USA, 1980 Länge: 119 min. Fassung: 35mm

Das überwiegend in Schwarz-Weiß gedrehte Meisterwerk von Martin Scorsese (Taxi Driver, Bringing Out The Dead) ist DER Boxfilm schlechthin: Variety lobte seine ?fiebrige Intensität? und bezeichnete die Kämpfe als die besten, die jemals gedreht wurden. ?Jede Szene bringt totale Hysterie. Dieser Wille zur Bravour macht die Boxszenen so unglaublich intensiv, dass dem Zuschauer beinahe schwindlig wird.? Scorsese erzählt vom ? tatsächlichen ? Aufstieg und Fall des Boxers Jake La Motta, der in den ärmlichen Verhältnissen der italienischen Einwanderer in der Bronx aufgewachsen ist. Der streng katholisch erzogene Einzelgänger, egoistisch, streitlustig und beladen mit sexuellen Minderwertigkeitsgefühlen, liegt ständig im Krieg mit sich selbst und seiner Umwelt. Wie schon in Taxi Driver oder Mean Streets erzählt Scorsese die Geschichte vom Aussenseiter auf der Suche nach Erlösung. Als der aggressive und erfolgreiche La Motta zum Opfer korrupter Ringrichter wird, stürzt er in den bodenlosen Abgrund des Vergessens. In die Jahre gekommen, hält er sich als Ansager in billigen Kabaretts über Wasser, als fetter Komödiant sagt er Stripperinnen in schäbigen Nachtlokalen an. Hier lieferte Robert De Niro eine der legendären Meisterleistungen seiner Karriere ab, als er sich vom boxenden Muskelprotz durch fünfzig Pfund Gewichtszunahme in einen aufgedunsenen, trägen Koloss verwandelte, der sich im Alter endlich selbst zu akzeptieren lernt.
Als er mit Raging Bull begann, war Scorsese psychisch und physisch ein Wrack, voller Drogen und Selbstzweifel und glaubte, im Sterben zu liegen. Gewiss, dass er sich nur selbst aus diesem Sumpf wieder herausziehen könne, liess er sich von seinem Freund De Niro dazu überreden, einen Boxfilm zu machen. Mit einem fast brutalen Realismus dekonstruierte er die klassischen Boxhelden-Filme, zeigte mehr Blut und Hass als seine Vorgänger und hob seine Figur damit aus dem Ring heraus auf einen spirituellen Pfad von Selbstfindung und Erlösungsstreben. Scorsese selbst sagt über sein Werk: ?Es ging nicht ums Boxen. Ich mag Boxen nicht. Was mich interessiert, war, mich in die Köpfe der Personen zu versetzen. Auf einer gewissen Ebene ist Jake fast ein Tier, aber er ist auch näher an einem weniger komplizierten Leben. Es ist die mystische Seite in dem Film, wegen der habe ich ihn gedreht.? Scorsese hatte den Film gemacht, den er machen wollte, ?ohne irgendein Zugeständnis an Profit oder Publikum?. ?Das war?s. Im Grunde ist meine Karriere hiermit beendet.?

Spieltermin:
Dienstag, 12.02.2002 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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