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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Ein ganz gewöhnlicher Jude

Regie: Oliver Hirschbiegel Buch: Charles Lewinsky Kamera: Carl-Friedrich Koschnick Darsteller: Ben Becker, Siegfried W. Kernen, Samuel Finzi Produktion: D, 2005 Länge: 93 min. Fassung: 35mm, DF

Ein ganz gewöhnlicher JudeEin Film wie ein Kammerspiel, der sich im Inneren einer Wohnung abspielt - moderne Möbel, ein Diktiergerät, an der Wand Fotografien von Familienmitgliedern, aber auch von Hannah Arendt und Albert Einstein. Einige der Familienmitglieder sind in Auschwitz oder Theresienstadt ums Leben gekommen. Die Wohnung gehört Emanuel Goldfarb (BB), Journalist und Mitglied der jüdischen Gemeinde. Goldfarb bespricht sein Diktiergerät mit einem Monolog, eine Antwort auf die Einladung eines Geschichtslehrers, der ihn gebeten hat, vor seiner Schulklasse über das heutige Leben eines Juden in Deutschland zu sprechen. Goldfarb ägert sich über den übertrieben rücksichtsvollen Ton genauso wie über den Grundgedanken, der dahintersteckt: Ein Lehrer will seine korrekte politische Gesinnung zeigen und einen Juden, der lange nach dem Ende des 2. Weltkriegs geboren wurde, nicht als Individuum sondern als "jüdisches Demonstrationsobjekt" seiner Schulklasse präsentieren. Nichts Schlimmes im Grunde, dennoch ärgert sich Goldfarb, und er antwortet mit seinem Diktiergerät: "Die permanente Solidarität geht mir auf die Nerven. Ich weiß ja, dass es gut tut, ein guter Mensch zu sein, aber zieht mich da nicht rein. Die Sonderrolle will ich nicht haben. Ein ganz gewöhnlicher Mensch möchte ich sein, ein ganz gewöhnlicher Jude."

Dem Schauspieler Ben Becker gelingt das Kunstwerk, den Text in eine lebendige, von ganz unterschiedlichen Stimmungen gefärbte Parabel zu verwandeln, die sowohl als Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und Gegenwart als auch als Schilderung einer persönlichen Lebensgeschichte und Familienchronik fesseln kann. Hirschbiegels ungewöhnlicher, minimalistischer Film erinnert so gar nicht an sein von Bernd Eichinger produziertes, bombastisches und viel kritisiertes Geschichtsepos Der Untergang, dafür aber mit seiner feinen und differenzierten Psychologisierung des Charakters umso mehr an den ähnlich ergreifenden Monolog Hannelore Elsners in seinem vorangegangenen Werk Mein letzter Film.

Spieltermin:
Donnerstag, 18.05.2006 19:45 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Der Neue Deutsche Film
Fortsetzung
 Donnerstag  04.05.2006  19:30 Uhr  DF  Sommer vorm Balkon
 Dienstag  09.05.2006  20:00 Uhr  DF  Gespenster
 Donnerstag  18.05.2006  19:45 Uhr  DF  Ein ganz gewöhnlicher Jude
 Dienstag  23.05.2006  19:30 Uhr  DF  Sie haben Knut
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