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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Lieber Frankie

Originaltitel: Dear Frankie

Regie: Shona Auerbach Buch: Andrea Gibb Kamera: Shona Auerbach Musik: Alex Heffes Darsteller: Emily Mortimer, Gerard Butler, Jack McElhone Produktion: GB, 2004 Länge: 105 min. Fassung: 35mm, DF

Lieber FrankieFrankie (JM) ist neun und seit früher Kindheit taub. Zusammen mit seiner Mutter und seiner Großmutter lebt er in einer schottischen Hafenstadt und eigentlich fehlt ihm nur eines: sein Vater. Der arbeitet auf der HMS Accra und reist durch die ganze Welt. Frankie hat ihn noch nie getroffen, markiert aber auf einer großen Wandkarte gewissenhaft alle Routen und jeweiligen Standorte des Schiffes. Jede Woche schreibt er ihm einen Brief und wartet sehnsüchtig auf die eine Woche später folgende Antwort. Als die HMS Accra auch in Frankies Stadt einlaufen soll, gibt es für ihn keinen größeren Wunsch, als endlich seinen Vater kennenzulernen. Doch seine Mutter Lizzie (EM) zögert. Denn was Frankie nicht weiß, ist, dass sie sich diese Geschichte ausgedacht hat. In Wirklichkeit ist sein Vater ein kranker Mann, dessen Gewalttätigkeit der Grund für Frankies Taubheit ist. Um ihrem Sohn diese unangenehme Wahrheit zu ersparen, hat Lizzie kurzerhand einen zur See fahrenden Vater erfunden, in dessen Namen sie jede Woche auf Frankies Briefe antwortet, die sie abfängt. Als nun das Schiff mit dem angeblichen Vater an Bord in ihre Stadt kommt, hat Lizzie die Wahl: Soll sie Frankie reinen Wein einschenken – oder einen Mann finden, der ihm den perfekten Vater vorspielt, bis das Schiff wieder in See sticht? Innerlich zwiegespalten entscheidet sie sich für die zweite Variante und beobachtet mit ebenso gemischten Gefühlen das schnell enger werdende Verhältnis zwischen ihrem Sohn und dem fremden Mann (GB). Zumal dieser auch an ihr ein Interesse zu entwickeln scheint.

Lieber Frankie ist ein wunderbar poetischer Film, der mit liebevoller Aufmerksamkeit und sanften Pinselstrichen ein meisterhaftes Bild familiärer Beziehungen zeichnet. Durch ausgezeichnete Schauspielerleistungen und großartige Aufnahmen wird der Zuschauer in die Welt der Charaktere gesogen. Natürlich sind die Figuren fehlerhaft und verletzlich; hier werden keine Superhelden vorgestellt. Dafür aber Menschen, die ihren Alltag heldenhaft meistern und von Herzen gut sind. Und das mit so viel Einfühlungsvermögen, dass man sogar für Frankies leidenden leiblichen Vater etwas Mitgefühl entwickelt. Und auf so beeindruckend mitreißende Art, dass man beim Verlassen des Kinos das Gefühl hat, möglichst bald selbst Kinder haben zu wollen. Vor allem aber auch, dass Kinder einen Vater brauchen, denn die einzige Frau, die gekonnt Steinchen übers Wasser springen lassen kann, ist wahrscheinlich Amélie.

Text: Marian Jasencak

Spieltermin:
Mittwoch, 19.07.2006 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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