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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Die Legende von Paul und Paula

Regie: Heiner Carow Buch: Ulrich Plenzdorf, Heiner Carow, Anne Pfeuffer Kamera: Jürgen Brauer Musik: Peter Gotthardt Darsteller: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel, Fred Delmare, Eva-Maria Hagen Produktion: DDR, 1973 Länge: 106 min. Fassung: 35 mm

Die Legende von Paul und PaulaUnd wenn es der einzige DEFA-Film in eurem Leben sein sollte (was allerdings gerade angesichts unserer schönen Auswahl schwer nachvollziehbar wäre) – Die Legende von Paul und Paula muss man gesehen haben. Es ist nicht nur eine der schönsten Liebesgeschichten der Filmhistorie, sondern traf Anfang der 70er auf ganz eigene Weise das Lebensgefühl der Menschen und ist auch heute den meisten Jüngeren im Osten der Republik ein Begriff, die nicht mehr in der DDR geboren wurden.
Paul (WG) und Paula (AD) sind im selben Viertel aufgewachsen und kennen sich schon lange – vom Sehen. Paul hat Karriere gemacht, führt aber eine unglückliche, zur Routine erstarrte Ehe. Paula ist Verkäuferin und lebt allein mit ihren beiden Kindern. Bei ihrer ersten wirklichen Begegnung werden beide von einer leidenschaftlichen Liebe erfasst. Für Paula, die schon mit dem Gedanken gespielt hatte, eine „Sicherheitsehe“ mit dem Reifen-Händler Saft (FD) einzugehen, ein Glücksfall, dem sie sich kompromisslos hingibt. Paul dagegen ist verwirrt und nicht bereit, seine gesellschaftliche Position als Mitarbeiter im Ministerium für Außenhandel aufs Spiel zu setzen. Er genießt den kurzen Augenblick des Glücks und wahrt ansonsten den Schein – in der Ehe und vor seinen Kollegen. Für Paula wird der Unfalltod ihres Kindes zum auslösenden Moment, sich von Paul, der sich nicht zu ihr bekennt, zu trennen. Erst angesichts des Verlusts erkennt er die Tiefe seiner Liebe – aber nun verweigert sie sich. Paul wirft alle Scheu und die Angst vor den zu erwartenden Konsequenzen von sich und belagert tagelang Paulas Wohnungstür, bis zu dem grandiosen Augenblick, in dem er an die Tür der Nachbarin klopft und freundlich fragt: „Wäre vielleicht ein Beilchen da oder eine Axt, gute Frau? Besser eine Axt.“ Gerne wird ihm die Bitte gewährt.
Der Anfang der 70er Jahre, nachdem Ulbricht weg und Honecker noch nicht so richtig da war und ein gewisses Loch in der Kulturpolitik der DDR entstand, war die einzige Zeit, in der ein Film wie Paul und Paula bei der DEFA gedreht werden konnte. Dieser Film über ein einfaches Mädchen, das alle Chancen des Staates ignoriert und einen sehr persönlichen Glücksanspruch hat, traf genau den Zeitgeist und war entsprechend erfolgreich; passend untermalt wird er durch die Musik der Puhdys, die sich durch ihn erstmals einen Namen machten. Dem Staat allerdings stieß die Geschichte bitter auf – schon bald gewinnen die Hardliner an Macht, es wird gebremst und zurückgepfiffen. Statt aus der wertvollen neuen Qualität der souveränen Erzählhaltungen zur eigenen Welt maximal Gewinn und Ermunterung zu holen, sind Rauhreif und Feinfrost angesagt – es kommt zu mehreren Projektabbrüchen.
Die Legende von Paul und Paula ist aus ihrer Ausnahmestellung heraus heute zum Klassiker avanciert, der allerdings nur noch selten auf der großen Leinwand zu sehen ist und den ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Spieltermin:
Dienstag, 23.01.2007 19:45 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
60 Jahre DEFA
Filme aus der DDR
 Dienstag  09.01.2007  20:00 Uhr  s/w  Berlin – Ecke Schönhauser
 Dienstag  16.01.2007  19:15 Uhr  s/w  Spur der Steine
 Dienstag  23.01.2007  19:45 Uhr    Die Legende von Paul und Paula
 Montag  29.01.2007  20:00 Uhr    Vortrag: Staatskino – Film in der DDR
 Dienstag  30.01.2007  19:45 Uhr    Solo Sunny
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