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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Paradise Now

Palästinensische Selbstmordattentäter im Film

Regie: Hany Abu-Assad Buch: Hany Abu-Assad, Bero Beyer Kamera: Antoine Heberlé Musik: Tina Sumedi Darsteller: Kais Nashef, Ali Suliman, Lubna Azabal, Amer Hlehel, Hiam Abbass Produktion: NL/D/F/Israel, 2004 Länge: 90 min. Fassung: 35 mm, DF

Paradise NowMit einer Einführung von Prof. Dr. Maurus Reinkowski vom Orientalischen Seminar.

Ein ungewöhnlicher und kontrovers diskutierter Film, der uns mitten ins Herz der palästinensischen Gebiete entführt: Khaled und Saïd, zwei junge Männer und Freunde seit Kindertagen, haben sich von einer terroristischen Palästinenserorganisation anwerben lassen
. Sie sind bereit, sich als lebende Bomben nach Tel Aviv einschleusen zu lassen, um dort möglichst viele jüdische Einwohner in den Tod zu reißen. Der Film erzählt von den letzten 24 Stunden der beiden sehr unterschiedlichen Charaktere vor dem geplanten Attentat. Sie erhalten von einem rhetorisch geschulten Offizier der Terrorgruppe letzte Anweisungen und motivationsfördernde Propaganda mit auf den Weg, dann dürfen sie eine letzte Nacht bei ihren nichtsahnenden Familien verbringen. Als sie am nächsten Tag mit den Sprengsätzen am Körper über die Grenze geschmuggelt werden sollen, geht etwas schief. Plötzlich sind sie auf sich selbst gestellt, und mit der Frage konfrontiert, ob es richtig ist, was sie da vorhaben?

Der 1961 in Nazareth geborene Regisseur hat bereits eine ganze Reihe von Filmen, Dokumentationen und Fernsehproduktionen gedreht. Aber keiner seiner bisherigen Filme löste ähnliche Diskussionen aus wie dieser Berlinale-Wettbewerbsbeitrag, der außerdem für den Oscar nominiert und mit Auszeichnungen wie dem Europäischen Filmpreis überhäuft wurde. Darf der Terror zum Thema eines Spielfilms werden, dürfen die Motive und Ansichten militanter Selbstmordattentäter überhaupt thematisiert werden? Der Film verknüpft geschickt die politische mit der persönlichen Situation der Handelnden, zugleich hält er sich bei der Beurteilung des Geschehens äußerst zurück. Gerade dies wurde ihm zum Vorwurf gemacht. Darf ein Spielfilm mögliche Motive von Attentätern nur dann zeigen, wenn er sich zugleich klar und ausdrücklich davon distanziert? Aufgrund des zugrunde liegenden, realen Terrors ist es nicht allen Zuschauern möglich, ausschließlich das „filmische Kunstwerk“ zu sehen. Daher wird der Film fast notwendigerweise politisch diskutiert. Während auch Abu-Assad sich in Interviews diesbezüglich äußerte und z.B. sagte, dass er Selbstmordattentate nicht per se verurteile, sondern diese als „eine sehr menschliche Reaktion auf eine extreme Situation“ ansehe, ist der Ton des Films zurückhaltend und überlässt es dem Zuschauer, selbst Antworten auf diese Fragen zu suchen.

In Zusammenarbeit mit dem Orientalischen Seminar der Universität Freiburg möchten wir Euch herzlich auch zu einer Sonderveranstaltung einladen, bei der wir die Dokumentation "Der Tag, als ich ins Paradies wollte" zeigen: in ihm wird das geplante Attentat eines jungen Palästinensers nachgezeichnet. Die Regisseurin Esther Schapira wird anwesend sein und für eine Fragerunde zur Verfügung stehen.
Siehe: Der Tag, als ich ins Paradies wollte.

Text: Alexander Sancho-Rauschel, Hinnerk Feldwisch-D.

Spieltermin:
Mittwoch, 24.01.2007 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Junger Orientalischer Film
Das Berlinale-Best-Of des jungen orientalischen Films
 Freitag  24.11.2006  20:00 Uhr  OmU  Offside
 Mittwoch  24.01.2007  20:00 Uhr  DF  Paradise Now
 Freitag  02.02.2007  19:30 Uhr    Der Tag, als ich ins Paradies wollte
 Mittwoch  14.02.2007  20:00 Uhr  OmU  37 Uses for a Dead Sheep
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