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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Happiness

Regie&Buch: Todd Solondz Kamera: Maryse Alberti Musik: Robbie Kondor Darsteller: Jane Adams, Dylan Baker, Lara Flynn Boyle, Ben Gaggara, Jared Harris, Philip Seymour Hoffman, Louise Produktion: USA, 1998 Länge: 134 min. Fassung: 35mm, OF

In bester Short-Cuts-Manier beschreibt Todd Solondz in intelligent miteinander verwobenen Episoden die Probleme dreier Schwestern in New Jersey. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass eine Veränderung der drei zu guten Vorzeige-Amerikanern außer Frage steht ? kein Happy-End in Sicht. Trotzdem - und das ist das große Verdienst dieses Films ? bleiben die Personen stets liebenswert und erwecken das Mitgefühl des Zuschauers. Geschickt legt Solondz das Innere seiner Charaktere bloß, indem er sie in den peinlichsten und persönlichsten Momenten zeigt: beim Psychiater, beim Onanieren, bei der Sexualaufklärung der Kinder oder beim Beichten von Gewaltverbrechen. Amerika, wie es sonst selten im Film zu sehen ist: Solondz konzentriert sich fast ausschließlich auf die Ausschnitte des Alltagslebens, die im normalen amerikanischen Mainstream-Film ausgespart bleiben.
Die drei zentralen Figuren der Schwestern sind so unterschiedlich wie nur möglich: Joy ist sensibel, einfühlsam und schüchtern. Der Anfang des Films zeigt in akribischer, peinlichster Genauigkeit, wie sie mit ihrem Freund Schluss macht. Wenige Tage später wird er tot in seinem Apartment aufgefunden ? Selbstmord. Ihre Schwester Trish dagegen ist, oberflächlich betrachtet, die Vorzeige-Amerikanerin: Fröhlich, aufgeschlossen, direkt, gutaussehend, mit Mann, Haus und Kind. Doch alles ist nur Fassade: Das Ehepaar hat keinen Sex mehr, und ihr Mann fühlt sich sexuell zu kleinen Jungen hingezogen, die er schließlich auch vergewaltigt. Ganz anders die dritte Schwester, Helen: Neurotisch, exzessiv und intellektuell lebt sie ihre Sexualität aus und braucht den stetigen Kick. Einer ihrer Nachbarn - fett, einsam und hässlich- himmelt sie an, weiß aber, daß er keine Chancen bei ihr hat. Deshalb belästigt er bevorzugt fremde Frauen am Telefon und onaniert dabei. Als er schließlich doch eine Partnerin findet, ist das aufkeimende Glück nur von kurzer Dauer.
Solondz zeigt die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft ? ein schonungsloser Blick, der aber nie ohne Humor und Zärtlichkeit ist. Die Form der episodischen Erzählweise beherrscht er exzellent ? sein Film wirkt wie eine dunkle und böse Version von Robert Altmans Short Cuts. Doch im Gegensatz zu Altmans auf Kurzgeschichten basierenden Streifen spürt man, dass hier alles etwas näher an der Realität angesiedelt ist, als es einem manchmal lieb ist. Eine großartige Tragikkomödie, und zugleich einer der ungewöhnlichsten und gewagtesten amerikanischen Filme der letzten Zeit.

Spieltermin:
Mittwoch, 19.12.2001 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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