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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Dancer in the Dark

Regie&Buch: Lars von Trier Kamera: Robby Müller Musik: Björk Darsteller: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare, Joel Grey Produktion: Dk/S/F/D, 2000 Länge: 137 min. Fassung: 35mm, OF

Bereits im Vorfeld hat dieser Film hohe Wellen geschlagen: Der
?Dogma-Mann? Lars von Trier dreht ein melodramatisches Musical, Björk
in ihrer ersten und letzten Rolle, die Spannungen zwischen den beiden,
schließlich die Preise in Cannes für den Film und für Björk. Als
Kinobesucher stellt man schließlich fest, dass die hohen Erwartungen

gänzlich erfüllt werden und der Film den Medienrummel rechtfertigt. So
wie das Aufeinandertreffen von Gegensätzen viel Aufsehen erregt hat,
lebt auch der Film selbst von der kreativen Kraft, die aus solchen
Oppositionen entsteht: Auf der einen Seite die tragische Geschichte
der Einwanderin Selma, die, selbst langsam erblindend, in einer Fabrik
arbeitet, um ihrem Sohn mit Hilfe einer Operation das gleiche
Schicksal zu ersparen. Auf der anderen Seite eine wunderbare
Musical-Traumwelt, die sich Selma erschafft - wobei sie sprichwörtlich
vor der Wirklichkeit die Augen verschließt - und in der Maschinen zu
Rhythmusgeräten werden und Tote wiederauferstehen. Der selbstlosen
Selma ist eine selbstsüchtige Welt gegenübergestellt, in der falsche
Freunde einen ausnutzen und wahre Freunde einen nicht retten
können. Dem Gesetz des Melodrams folgend, wird ihr kompromissloser
Gang ausweglos und der Zuschauer dabei regelrecht mitgenommen: So wie
Selma ihrem Schicksal ist er der erbarmungslosen Dramaturgie Lars von
Triers ausgeliefert, der effektvoll zwischen Handkamerawirklichkeiten
und Musicalträumen changiert und so einerseits Hoffnungen suggeriert,
die er andererseits sogleich wieder zerschlägt. Björk, die Rolle mehr
lebend als spielend, lotet souverän alle Höhen und Tiefen auf der
Emotions - wie auf der Notenskala aus, und es sind vor allem die
Musicalszenen, die Selma-Songs, die den Film auch zum wiederholten
Male zu einem Genuss machen. Als umschließende Klammer steht das
namengebende Dunkel am Anfang und am Ende des Films. Einen Augenblick
vor der Dunkelheit am Schluss scheinen jedoch die Gegensätze
aufgehoben, sogar vereint, und dann gilt die Liedzeile aus der Mitte
des Films: ?I have seen what I wanted, there?s no more to see.? Nicht
nur für Selma, sondern, nach dem Film wieder in der hellen
Wirklichkeit, auch für den Zuschauer.

Spieltermin:
Mittwoch, 09.05.2001 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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