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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Nächte der Erinnerung

Originaltitel: Bringing Out the Dead

Regie: Martin Scorsese Buch: Paul Schrader Kamera: Robert Richardson Musik: Elmer Bernstein Darsteller: Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Mary Beth Hurt, Marc Antho Produktion: USA, 1999 Länge: 118 min. Fassung: 35mm

Die Nacht ist für Frank (NC) ein endloser, flimmernder Alptraum: Als Rettungssanitäter, dessen Arbeitszeit erst nach Sonnenuntergang beginnt, jagt er mit flackerndem Blaulicht durch die Dunkelheit des nächtlichen Manhattan und die Schwärze der Seelen seiner Bewohner. Junkies, betrunkene Obdachlose, verzweifelte Selbstmörder und andere Geschöpfe der Nacht durchstreifen eine Welt, die nichts gemein hat mit dem Manhattan gutsituierter Bildungsbürger in Woody Allens Filmen. Auf der Straße herrschen Krieg und Sucht, Geldgier und der Wille zur Selbstzerstörung. Kein leichter Job also für Frank, der die Überreste der nächtlichen Gefechte wieder zusammenflicken muss. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die sich entweder in eine distanzierte, phlegmatische Nüchternheit retten (JG) oder selbst zu fanatischen Psychopathen mutieren (VR), gehen dem sensibleren Frank die nächtlichen Tragödien ziemlich an die Nieren. Seitdem ein junges Mädchen bei einem der Einsätze unter seinen Händen gestorben ist, ist die Welt für Frank nicht mehr in Ordnung: Ihr Gesicht verfolgt ihn, seit Monaten gelang es ihm nicht mehr, ein Menschenleben zu retten, und als er schließlich, endlich, dem Tod eine Seele entreissen kann, ist es ein Drogendealer, der wahrscheinlich mehr Leben auf dem Gewissen hat, als unser Sanitäter jemals wird retten können. Frank lernt eine junge, scheue Frau (PA) kennen, die Tochter eines Mannes, den er vom Tod zurück ins Leben geholt hat ? obwohl er spürt, dass der alte Mann lieber sanft entschlafen würde, als durch krachende Elektroschocks immer wieder ins Leben zurückgerissen zu werden. So etwas wie Liebe kann der verwirrte Frank kaum entwickeln, dennoch ahnt er eine Seelenverwandtschaft zu der Frau, die eine schwere Drogenkarriere hinter sich hat und die Schrecknisse jener Welt nur zu gut kennt, durch die er sich Nacht für Nacht bewegt. Frank, der sich in seinem weissen Kittel wie ein strahlender Engel durch die Finsternis der Großstadt bewegt, begreift schließlich, dass die Erlösung des Alten von seinem Leiden ebenso einen Gnadenakt darstellt wie die Rettung eines Lebens bei einem Notfalleinsatz. 25 Jahre nach Taxi Driver (gleicher Regisseur, gleicher Drehbuchautor) präsentiert uns der Katholik Scorsese, der Priester geworden wäre, hätte ihn nicht die Dunkelheit der Welt und die Skepsis gegenüber allen Heilsversprechungen zum Filmemachen getrieben, erneut eine wunderbar gefilmte Parabel, die als nächtlicher Alptraum Fragen von Schuld, Nächstenliebe und Erlösung aufwirft. Dabei verwendet Scorsese auch schwarzen Humor, rasend schnelle Videoclip-Sequenzen und einen satten Soundtrack, der die wirren Sanitäter auf ihrer Odyssee durch die Strassenschluchten begleitet. ASR

Spieltermin:
Donnerstag, 14.02.2002 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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