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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Kafkas Kino - "Der Andere" und frühe Stummfilme

Mit Einführung von Dr. Franz Leithold und Musikbegleitung von Günter Buchwald

Regie: Max Mack Buch: Paul Lindau Kamera: Hermann Böttger Darsteller: Albert Bassermann, Hanni Weisse, Emmerich Hanus, Nelly Ridon Produktion: Deutschland, 1913 Länge: 64 min. Fassung: 35 mm

An diesem Abend wollen wir eine Reise zurück ins Kino vom Anfang des 20. Jahrhunderts machen, wie Franz Kafka es in Prag erlebte. In der Frühzeit des Filmes wurden Kurzfilme als „Kino der Attraktionen“ zusammengestellt, die jeweils einzelne Aspekte zeigten: von dokumentarischen „Aktualitäten“ über groteske, lustige oder exotische Sequenzen bis hin zu teils phantastischen Inszenierungen wie jenen des „Erfinders“ des narrativen Films, Georges Méliès. Produziert wurden die Filme u.a. vom deutschen Filmpionier Jules Greenbaum, der mit der „Deutsche Bioscope GmbH“ hunderte Filme realisierte und auch die Kamera- und Vorführtechnik entscheidend verbesserte. In Frankreich erkannten die Gebrüder Pathé das Potential des neuen Mediums, erwarben von den Gebrüdern Lumière die Patente an ihrer Filmtechnik und bauten in Konkurrenz zu Georges Méliès ein Filmimperium auf.
Mit folgenden Filmen: Eine Fahrt durch Berlin, Calino se marie, La loutre, Paris illustre, Les papillons japonais, La planche, Die Explosion der Gasanstalt in Hamburg, L’uomo torpedine, Seine Majestät König Friedrich August II von Sachsen besucht das Olympia-Theater am Altmarkt in Dresden, Wie es noch kommen wird - ein Zukunftsbild

im Anschluss:

Der Andere

Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Hallers (AB) vertritt eine harte Linie gegenüber Menschen, die aufgrund von Persönlichkeitsstörungen mildernde Umstände ersuchen. Nach einem Reitunfall kommt es bei ihm jedoch selber zu Bewusstseinstörungen: er wacht öfters als der „Andere“ auf, ohne sich dessen bewusst zu sein. Als dieser durchstreift er die Berliner Halbwelt – und begeht einen Einbruch in seiner eigenen Wohnung...
Max Mack, einer der produktivsten Stummfilm-Schaffenden, gelang mit Der Andere eines der ersten„Kinodramen“ – wie Spielfilme damals genannt wurden – das von der Kritik künstlerisch und schauspielerisch anerkannt wurde. Zu Zeiten, in denen das kulturelle Establishment noch despektierlich auf das Medium Film guckte und viele Theater-Schauspieler nicht einmal photographiert werden wollten, war es eine Sensation, als der sehr bekannte Schauspieler Albert Bassermann eine Hauptrolle in einem Film übernahm – und so das Kino hoffähig machte. So schreibt die „Lichtbild-Bühne“ von 1913: „Je stärker die Angriffe auf den Kinematograph ausgeübt werden, mit desto mehr Glück wird die lebende Bilderkunst ihrer literarischen, künstlerischen und technischen Vollkommenheit entgegenschreiten. Je lauter man dem Kinodrama jede Existenzberechtigung abspricht, desto breiter wird der Raum sein, den es im Filmprogramm einnimmt, denn von Filmspiel zu Filmspiel beweist es immer deutlicher, daß es als neue Kunstform anzusprechen ist. (...)Ein sichtliches großes Gefallen ging durch die Reihen der Zuschauer, als das letzte Ende Blankfilm durch war. Bassermann hat in Stummheit zum Publikum gesprochen und Paul Lindau hat anstatt mit Tinte zu schreiben, seine Gedanken in Licht getaucht.“ Kafka selber setzte sich zwar einerseits kritisch mit dem Film auseinander, doch machte er andererseits auch einigen Eindruck auf ihn – insbesondere der Schauspieler Bassermann habe ihn „ein wenig verwandelt“.

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup

Spieltermin:
Dienstag, 18.01.2011 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Kafka im Kino
„Man muss sich am Leben erhalten für den Kinematographen“
 Dienstag  18.01.2011  20:00 Uhr    Kafkas Kino - "Der Andere" und frühe Stummfilme
 Dienstag  25.01.2011  20:00 Uhr    Das Schloss
 Dienstag  01.02.2011  20:00 Uhr  En. OmU  Kafka-Überraschungsfilm
 Dienstag  08.02.2011  20:00 Uhr  En. OmU  Kafka
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