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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Bad Lieutenant

Originaltitel: Mit Einführung von Dr. Joachim Valentin

Regie: Abel Ferrara Buch: Zoe Lund, Abel Ferrara Kamera: Ken Kelsch Musik: Joe Delia Darsteller: Harvey Keitel, Victor Argo, Frankie Thorn, Paul Hipp, Zoe Lund, Anthony Ruggiero Produktion: USA, 1992 Länge: 96 min. Fassung: 35mm

Bad ist die Titelfigur in doppelter Hinsicht. Der Polizeioffizier - mit unerhörtem physischen Einsatz eindringlich verkörpert von Harvey Keitel - ist schlecht in professioneller Hinsicht, weil er, anstatt Verbrechen zu bekämpfen, sich selbst außerhalb der Legalität bewegt. Schlecht ist er auch in moralischer Hinsicht: Die Beziehungen zu seiner Frau und seinen Kindern sind gestört, er sucht sein Heil in immer neuen Wetten und gerät doch nur in den Strudel immer neuer Schulden gegenüber der Mafia. Er sucht Befriedigung bei Prostituierten und steht doch in deren Hinterzimmer nur erbärmlich winselnd da - nackt, mit ausgebreiteten Armen. Momente der Ruhe findet er nur bei seiner Freundin Zoe, die ihm die Verläßlichkeit einer eingespielten Beziehung von Leidensgenossen gibt und geradezu zärtlich die Drogenspritze setzt. Die Begegnung mit einer jungen Nonne, die das Opfer einer brutalen Vergewaltigung am Altar geworden ist und sich zu einer radikalen Haltung christlicher Vergebung bekennt, die es ihr verbietet, die ihr bekannten Täter preiszugeben, ist für den in der Gosse lebenden Cop eine Berührung durch das Heilige. Sein Weg führt in die Kirche, wo er die handgreifliche Vision der Begegnung mit dem vom Kreuz herabgestiegenen blutenden Christus hat, dem er seinen Schrei nach Erlösung entgegenschleudert. Ferrara nimmt die naturalistisch krasse Schilderung der heillosen Gewalt ebenso ernst wie die Erlösung. Von einem Regisseur, der sich durch - zum Teil indizierte - Gewaltfilme einen Ruf als Undergroundregisseur erworben hat, hatte man einen derart katholischen Film nicht erwartet. In der Darstellung existentieller Hoffnungslosigkeit ist er so schonungslos wie Bergmans Das Schweigen, in der Beschreibung des Großstadtdschungels und des italo-amerikanischen Milieus erinnert er an Martin Scorseses Hexenkessel, dennoch hat der Film von Abel Ferrara eine ganz eigene Handschrift. Mit dem unerbittlichen Blick eines Dokumentaristen, der sich und dem Zuschauer auch den Anblick des Häßlichen nicht erspart, weil sich gerade auch in den Schatten der Wahrheit des Lebens auf die Spur kommen läßt, versucht der 1951 in Brooklyn geborene Abel Ferrara die ungeschönte Bestandsaufnahme einer Welt, die zur Hölle geworden ist. Wir zeigen den Film aus Anlass eines Dies academicus der Theologischen Fakultät. Dieser Studientag hat das Thema Religionen und Gewalt und wird sich am Mittwoch, den 20. November mit der Verursachung und Eingrenzung von Gewalt in den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam auseinandersetzen.

Dr. Joachim Valentin, Wissenschaftlicher Assistent am Arbeitsbereich Religionsgeschichte der Theologischen Fakultät wird vor der Filmprojektion eine etwa 20 minütige Einführung zum Film geben.

Spieltermin:
Dienstag, 19.11.2002 19:30 Uhr, Hörsaal 2006

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