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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

In Angels he Trusts

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  24.10.2007  19:30 Uhr    Alice in den Städten
 Mittwoch  31.10.2007  19:30 Uhr  teilw. s/w   Der Himmel über Berlin – Wings of Desire
 Mittwoch  07.11.2007  19:00 Uhr  teilw. s/w   In weiter Ferne, so nah!
 Mittwoch  14.11.2007  19:15 Uhr    Paris, Texas
 Mittwoch  21.11.2007  19:30 Uhr    Land of Plenty

Wim Wenders

„Ich habe zuerst mit der Darstellung des Sichtbaren begonnen. Im Laufe meines Filmschaffens entdeckte ich, dass ich das Unsichtbare sichtbar machen wollte.“

Als Sohn eines katholischen und konservativen Elternhauses aus Düsseldorf wollte Wim (Wilhelm Ernst) Wenders eigentlich katholischer Priester werden
, doch kam etwas dazwischen: Der Rock’n’Roll. Mit 16 Jahren entdeckte er als Gegenpol den Mythos Amerikas, welcher sein späteres filmisches Schaffen bedeutend prägte: „Meine ersten Erinnerungen an Amerika waren die von einem mythischen Land, wo alles besser war.“ Zuerst studierte Wenders einige Semester Medizin in München, Philosophie in Freiburg und Soziologie in Düsseldorf, doch widmete er sich in dieser Zeit wohl schon mehr dem Malen von Landschaftsaquarellen als den eigentlichen Studieninhalten, und kam darüber auch zum Film. Im Jahr 1966 geht Wenders nach Paris, wo er sich vergeblich an der renommierten Filmhochschule IDHEC bewirbt. Als willkommenes Asyl zieht es ihn fast täglich aus seiner eiskalten Wohnung in die Cinémathèque Francaise, in der er nach der Frühvorstellung oft einfach sitzen blieb und so binnen einen Jahres über 1000 Werke der Filmgeschichte sieht – ein autodidaktisches Filmstudium, welches ihm das Spektrum der Möglichkeiten des Kinos vorführte. Anschließend studiert Wenders an der neugegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München an, das er 1970 mit dem Abschlussfilm Summer in the City beendet.

Mit Alice in den Städten dreht Wim Wenders 1974 seinen dritten abendfüllenden Spielfilm und findet mit diesem Film seine eigene Handschrift. Zu dieser gehören die Form des Road-Movies, die Liebe zum Rock, die Reflexion der Wahrnehmung sowie lange und intensive Einstellungen, welche die Landschaft sowie die Orte der Handlung selber sprechen lassen. Und mit der Reise der Protagonisten, eines deutschen Journalisten und des ihm anvertrauten neunjährigen Mädchens Alice, von Amerika nach Europa wird auch Wenders’ ambivalentes Verhältnis zu den USA zum ersten Mal Thema seines Werkes. Vier Jahre später zieht er in das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und dreht dort u.a. das Drama Paris, Texas, das ihn endgültig als Regisseur von internationalem Rang etabliert. In den Weiten der Steinwüsten von Texas nimmt die Odyssee der von der Zivilisation zurückgezogenen Hauptfigur ihren Ausgangspunkt und die natürliche sowie auch die urbane Landschaft Amerikas bleibt in der Annäherung an seinen verlorenen Sohn sowie dessen Mutter ein Mittelpunkt des Filmes.

Aufgrund der vorhergehenden Distanz zur „Alten Welt“ war es Wenders 1987 möglich, mit Der Himmel über Berlin einen präzisen und frischen Film über das Leben in der damals geteilten deutschen Hauptstadt zu drehen. Dabei erweitert er auch in Bezug auf die psychologischen Motive seinen Blickwinkel, nachdem in früheren Filmen insbesondere männliche Protagonisten als erlösungsbedürftig portraitiert wurden und Frauen es waren, die ihnen die Türen öffneten. In Wings of Desire (so der englische Titel) und auch in dessen Fortsetzung In weiter Ferne, so nah! beschreibt Wenders aus Sicht von Schutzengeln das alltägliche Leben in der Großstadt mit ihrer Sorge um die Menschen – und mit der Sehnsucht, selber auch menschlich zu werden, um fühlen zu können. So entwickelt sich in den beiden Filmen auch eine Wunder-volle Liebesgeschichte, welche sich bei Wenders sonst nur selten finden lässt.

Aus Frustration über die „Reagonomics“ und die damit einhergehenden, deutlich sichtbaren Verfall der Sozialsystem und des sozialen Zusammenhalts in den USA hatte Wenders nach dem Film Paris, Texas die USA verlassen. In seinem derzeit vorletzten Spielfilm The Land of Plenty greift Wenders die Situation einiger gemeinhin vergessener Randgruppen wieder auf. Ausgehend von der Figur eines traumatisierten Vietnamkriegsveterans zeigt er im Jahr drei nach 9/11 in beeindruckend authentischer Weise auch die Wirklichkeit in den Slums von Amerikas „Hunger Capital“ Los Angeles. Und setzt dabei der God-Bless-Amerika-Nationalreligion seine eigenen Überzeugungen und Hoffnungen entgegen.

„Ich wollte etwas als möglich zeigen, statt darauf zu bestehen, daß nichts möglich ist. Das Kino muß wieder versuchen, den Menschen dienlich zu sein. Das Kino könnte der Engel sein“. (Wim Wenders anlässlich der Premiere von Der Himmel über Berlin)

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup

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