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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Gruppe 47

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  15.11.2007  20:00 Uhr  s/w   Mein Schulfreund
 Freitag  30.11.2007  19:30 Uhr    Ansichten eines Clowns
 Dienstag  04.12.2007  19:30 Uhr  s/w   Das Brot der frühen Jahre
 Dienstag  11.12.2007  20:00 Uhr  s/w   Abschied von gestern
 Dienstag  18.12.2007  19:00 Uhr    Die Blechtrommel

... trifft Neuen Deutschen Film

Gruppe 47„Der deutsche Film kann gar nicht besser sein“ – mit diesen Worten des gleichnamigen Pamphlets läutete Joe Hembus 1961 eine neue Ära des deutschen Films ein. Dies brachte eine Abkehr von den Unterhaltungsfilmen der 1950er Jahre, die deutsche Geschichte weder darstellen, noch reflektieren könnten, so der Vorwurf. 1962 folgte das Oberhausener Manifest mit der noch vehementeren Forderung nach einem neuen unabhängigen Film in Deutschland: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“

Neuer deutscher Film (NdF, oder Junger deutscher Film, JdF) ist heute zumindest indirekt durch den 30. Jahrestag des sogenannten Deutschen Herbstes (Deutschland im Herbst, 1977) wieder aktuell. Daneben feiert die Gruppe 47 in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Die Literatur dieser Autoren behandelt den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und mit der restaurativen Gegenwart gleichermaßen. Es ist u.a. deshalb nicht überraschend, daß sich der NdF auch mit der Literatur der Gruppe 47 beschäftigte.

Beiden Gruppierungen fehlte vor allem die Möglichkeit eines Rückgriffs auf die vorherige Generation; durch den Zweiten Weltkrieg war eine Lücke in der deutschen Kulturlandschaft entstanden. Im Nachkriegsdeutschland wurde dann die „vaterlose Generation“ deutscher Filmemacher proklamiert. Zur sie beeinflussenden Großväter-Generation der Weimarer Zeit zählt Robert Siodmak, hier mit Mein Schulfreund (1960) vertreten, einer Adaption von Johannes M. Simmels Drama über den Briefträger, der seinen Schulfreund Göring bittet, den Krieg zu beenden.

Es soll in dieser Filmreihe nicht um das Phänomen der Literaturverfilmung gehen, sondern um die Gestaltung der Themen der Gruppe 47 mittels neuer Stilmittel in den Bildern einer jungen Generation von Filmemachern, die für ein Mitläufer- oder Mittätertum, im Gegensatz zu Autoren der Gruppe 47, zu jung gewesen waren.

Eng mit dem NdF verbunden ist der Begriff des Autorenfilms und die daherrührenden narrativen und stilistischen Experimenten. Er ist immer im Zusammenhang mit dem politischen und sozialkritischen Anspruch der Filmemacher zu sehen. Herbert Veselys Das Brot der frühen Jahre (1962), in dem es um den Ausbruch eines Mannes aus scheinbar geordneten Verhältnissen geht, zeichnet sich z.B. durch voice-over und a-chronologische Sequenzen aus und gilt als eigentlicher Beginn der deutschen Nouvelle Vague. Regisseur und auch der Hauptdarsteller waren Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests. In Abschied von gestern (1966) spielt Alexander Kluge mit verschiedenen Medien und findet so neue Ausdrucksformen für die Geschichte einer Frau, ihrer Flucht aus der DDR und ihrer Suche nach Identität. Kluge war ebenfalls Mitunterzeichner und Mitglied der Gruppe 47. Der abschließende Film von Vojtech Jasný, Ansichten eines Clowns (1976), ist eine bittere Anklage der selbstzufriedenen Gesellschaft der Adenauer-Ära. Jasný war wie Siodmak, der 1933 über Paris nach Hollywood flüchtete, im Exil.

Neue deutsche Literatur trifft Neuen deutschen Film – ein künstlerischer Neubeginn, der historisch erzwungen, durch politische, moralische und ästhetische Gründe jedoch gleichermaßen intendiert war. Der literarische Teil wird durch einen halbstündigen Vortrag von Dr. Christine Hummel über die Gruppe 47 ergänzt. Titel des Vortrages: "Herzlichen Glückwunsch, Gruppe 47! Eine kleine Hommage zum 60. Geburtstag".

Text: Jennifer Borrmann

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