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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Österreich – World Capital of Feel-Bad Cinema

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  23.01.2008  20:00 Uhr    Indien
 Mittwoch  30.01.2008  20:00 Uhr    Lovely Rita
 Dienstag  05.02.2008  19:45 Uhr    Nordrand

Neuer Österreichischer Film

Der österreichische Film ist in den Kinos hierzulande nicht gerade üppig vertreten. Doch wer auf Filmfestivals oder in den Spätvorstellungen der dritten Programme immer mal wieder über neuere österreichische Produktionen gestolpert ist, hat wohl bemerkt, dass es irgendwas besonderes auf sich haben muss mit dem Kino jenseits der Alpen. Neben den sprachlichen Eigenarten des Ösi-Slangs fallen vor allem der Hang zum Ungustiösen und eine Vorliebe für existentielle Katastrophen auf. So hat die New York Times Österreich anlässlich einer Filmreihe im New Yorker Lincoln Center als “world capital of feel-bad cinema” bezeichnet. Die hervorragende Qualität der neuen Welle des österreichischen Kinos beruhe auf dem Willen zur Konfrontation mit dem Verächtlichen und der Betonung des Negativen.
Und in der Tat hat es eine junge Generation österreichischer RegisseurInnen im letzten Jahrzehnt geschafft, mit ihren Geschichten um menschliche Abgründe und alltägliche Absurditäten international auf sich aufmerksam zu machen. Beispiele hierfür sind etwa Ulrich Seidl (Hundstage), Michael Haneke (Die Klavierspielerin), Barbara Albert (Nordrand; Fallen), Jessica Hausner (Lovely Rita) oder Wolfgang Murnberger (Komm, Süßer Tod; Silentium). Doch trotz aller Dramatik handelt es sich bei diesen Filmen mitnichten um fade Depri-Schinken. Die Haltung vieler dieser FilmemacherInnen scheint eher zu sein, die Dinge so zeigen zu wollen, wie man sie auch im realen Leben wahrnimmt. Das Alltägliche wird in all seiner Hässlichkeit dargestellt - aber auch genauso in seiner Komik und seiner ungeahnten Poesie. Neben aller kleinbürgerlicher Pedanterie, sexistischen Derbheiten und körperlichen Exzessen zieht sich eben auch ein abgrundtief schwarzer Humor wie ein roter Faden durch sämtliche der oben genannten Produktionen.

Dieses Wechselbad der Gefühle spiegelt sich auch in der Auswahl unserer Filmreihe wider. Indien erzählt die Geschichte zweier ungleicher Gastronomietester auf ihrem Weg durch die österreichische Provinz. Das Kabarettisten-Duo Hader und Dorfer lässt hier keine Gelegenheit aus, zwischen biederer Hotelzimmerromantik und Bierdosenchauvinismus jegliche Grenzen des guten Geschmacks zu durchbrechen. Lovely Rita zeigt den ausweglosen Versuch einer 15-jährigen Schülerin ihrer festgefahrenen Welt aus Wiener Spießbürgerelternhaus und katholischem Mädchengymnasium zu entfliehen. Die Figuren in Nordrand und Fallen - beides Filme von Barbara Albert - scheinen von einer seelischen Katastrophe in die nächste zu stolpern, immer haarscharf am Abgrund vorbei. Dorfhochzeiten im Bierzelt, Abtreibungskliniken und schmierige Discotheken führen zu Situationen, wo das Kinopublikum nicht weiß ob es vor Entsetzen weinen oder vor Lachen in Tränen ausbrechen soll.

Text: Nicola Bartholmé, Peter Brüstle

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