aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Das Radio im Kino

Filme dieser Reihe:
 Montag  21.01.2008  20:00 Uhr  OV  Hörspiel: War of the Worlds
 Donnerstag  24.01.2008  19:45 Uhr  OmU  Robert Altman´s Last Radio Show
 Donnerstag  31.01.2008  20:00 Uhr    Radio Days
 Donnerstag  07.02.2008  19:45 Uhr    Wer früher stirbt ist länger tot
 Donnerstag  14.02.2008  19:45 Uhr    Talk Radio

in Kooperation mit Radio Dreyeckland

Zwischen Nostalgie und Aufruhr

In seiner Geschichte hat sich das Kino schon viele Medien und Künste einverleibt. Fotografie, Malerei, Theater – und natürlich Literatur und Comics. Aber wie steht es mit den Massenmedien, mit Radio, Zeitung und Fernsehen?

Im Kino erleben wir das Medium Zeitung meist in Gestalt des bienenfleissigen Journalisten, ein naher Verwandter der Spezies Privatdetektiv. Ihm fehlt das zynische und erotische Cool des Schnüfflers, der schreibende Journalist ist ein blasser Bengel, er will nicht verführen, sondern aufklären. Diese gediegene Unscheinbarkeit lässt ihn aber auch gefährdet erscheinen, selten steckt unter dem ehrlichen Hemd ein Superman. Die Welt der Zeitung ist eine der großen Räume (keine düsteren, abgewrackten Detekteien), nikotinvernebelte Bureaus mit tiefhängenden Neonlampen, in denen bis in einsame Nachststunden hinein gebrütet und enthüllt wird. Kurz gesagt: Filme über Zeitungen sind häufig Filme über Aufklärer und ihren Kampf um die Wahrheit. Und sie enden oft mit dem Triumph der enthüllenden Schlagzeile.

Das Fernsehen hingegen hat es nicht so gut im Kino, meist wird es genüsslich demontiert. Denkbar fern der aufklärerischen Aura der Zeitungsstube wird uns meist eine groteske Medien-Maschinerie vorgeführt, selten ein aufklärerisches Medium. Wie sonderbar: Die Wahrheit scheint im Kino eher bei der Schrift (bzw. Zeitung) aufgehoben, als beim „großen Bruder“ Fernsehen. Jedenfalls steckt hinter dem schönen Schein der Shows und Nachrichtenkanäle oft eine korrumpierte, „dekadente“ und lächerliche Welt. Hinter den Kulissen fällt die Maske und wir treffen dort mafiöse Showmaster, päderaste TV-Produzenten, tablettensüchtige Moderatorinnen... ein Film wie Good Night, and Good Luck (George Clooney, 2005) bildet da nur die seltene Ausnahme von der Regel.

Und das Radio? Nun lebt das Medium Radio vor allem von der Musik und den Stimmen der Moderatorinnen und DJs. Das Kino gibt diesen unsichtbaren Stimmen ein Gesicht. Oft sind es schamanenhafte, skurrile Typen, liebevoll gezeichnet, und ihre Sendungen sind mitunter auf überraschende Art für die Handlung bedeutsam. Etwa Chris mit seinem allmorgendlichen Horoskop in Halbe Treppe (Andreas Dresen, 2002), oder eben Wer früher stirbt ist länger tot, wo Alfred (Jürgen Tonkel) – im Privatleben nicht gerade ein Kommunikationsprofi – vor dem Mikrofon hoch auf dem Alpengipfel auflebt, sein Studio ein Vinyl- und Flokati-Paradies im Weltraumstil der 70er Jahre. Mit seinem unerlässlichen Cowboyhut ist Alfred der sympathische Outcast jenseits der modernen Welt steriler Radiostudios.

Eine Reihe von Filmen zeigt wie gefährlich Radio-DJs leben. Schnell wird aus einem Moderator eine öffentliche Unperson, wenn er auf Konfrontationskurs geht. Hat die Stimme mehr Macht als ein Zeitungsartikel? Sicherlich ist das Drama des Radio-DJ nicht die Mühsal der Recherche, wie beim Zeitungsreporter, sondern der Moment vor dem Mikrofon, wenn Freund und Feind (inklusive der Sendeleitung) elektrisiert zuhören. Jedenfalls genießt er hohen Bekanntheitsgrad, vor allem wenn er sich mit den Mächtigen anlegt. Exemplarisch zeigt das der Film 100 Schritte (Marco Tullio Giordana, 2000), die wahre Geschichte von „Peppino“ Impastato, der ein Radio gegen die Mafia gründet und dies mit dem Leben bezahlt. Weniger politisch ist dagegen Oliver Stones Talk Radio, dafür zeigt er, dass wohl kaum jemand so leicht den Hass der Öffentlichkeit auf sich ziehen kann wie ein Radio-Moderator.
Nur wenige Filme beschäftigen sich mit der scheinbar passiven Seite beim Radio, sprich dem Radiohören. Woody Allens nostalgischer Radio Days bildet da eine schöne Ausnahme. Durch die unterschiedlichen Vorlieben in der skurrilen jüdischen Familie lernt man auch die Vielfalt der damaligen Radiowelt kennen, vom Sport bis zum Hörspiel – natürlich darf Orson Welles War of the Worlds nicht fehlen (auch bei uns nicht, siehe unten!).

Robert Altman´s Last Radio Show ist wohl einer der schönsten Filme zum Thema. Denn der Live-Moment ist immer noch das besondere am Radio(machen), die Anspannung und Konzentration wenn das Mikrolicht leuchtet und man plötzlich durch eine wundersame Verfremdung zu einer anderen Person wird. Es ist die Geschichte einer old fashion Radioshow, wo Country-Stars vor Publikum auftreten, und die Pizzawerbung nicht vom Band kommt... Großartig die Szene, in der Lily Tomlin, Meryl Streep und Garrison Keillor (plus Geräuschemacher) ad hoc ein abstruses Hörspiel improvisieren, um eine Panne zu überbrücken. That's live...

Radio Dreyeckland


Das älteste freie Radio Deutschlands (seit 1977) gratuliert dem aka-Filmclub zu seinem 50. Geburtstag!
FM 102.3 MHz, Internet: www.RDL.de
"35 Millimeter", die Filmsendung bei Radio Dreyeckland (in Zusammenarbeit mit dem aka-filmclub): jeden 4. Mittwoch im Monat, 20-21 Uhr.

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Studi-Mitgliedschaft bei RDL: 3 € / Monat – mehr Infos: mitglied@rdl.de
Selbst Radio machen: Regelmäßig finden Einführungsworkshops statt.
Anmeldung und Infos unter: workshop@rdl.de

Text: Andreas Reimann, Alexander Sancho-Rauschel

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