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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neo-Noir

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  28.05.2008  19:00 Uhr  OV  Zodiac – Die Spur des Killers
 Mittwoch  04.06.2008  19:00 Uhr    Brick
 Mittwoch  02.07.2008  19:30 Uhr  OV  Black Dahlia

Bogarts Urenkel

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein. Nach Ende der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg bekamen französische Filmkritiker die Hollywood-Filme der letzten Jahre zu sehen (The Maltese Falcon 1941, Double Indemnity 1944, The Big Sleep 1946). Von einer erkennbar neuen Entwicklung beeindruckt erfanden sie den Begriff „Film Noir”, der seitdem für düstere Krimikunstwerke voller Grautöne steht. Und es gibt sie immer noch. Auch 51 Jahre nach dem Tod der Noir-Ikone Humphrey Bogart schleichen noch immer zahlreiche gebrochene Privatdetektive durch die Abgründe unserer Gesellschaft und lassen sich von Femmes fatales verführen.

Getan hat sich trotzdem einiges – immerhin werden die früher auf schwarz-weiß beschränkten Werke spätestens seit Polanskis Chinatown (1974) fast komplett in Farbe gedreht. Doch auch Bogarts Urenkel bauen auf eine düstere Grundstimmung, in der sich eine spannende Story voller Wendungen bis hin zur unheilvollen Pointe abspielt.

Rian Johnsons Sundance-Innovationspreisträger Brick (2005) gelang es, die Noir-Story an eine High School zu versetzen und mit einer Reihe von Zitaten sowie einer meisterhaften Stilisierung den Geist der „Schwarzen Serie” von Teenagern transportieren zu lassen. Dazu bringt Brick die traditionell im Studio gedrehten Werke mit der seit Ende der 80er Jahre auflebenden Independent-Tradition zusammen – der Film wurde ohne Stars gedreht und kostete ganze 500.000 Dollar.

Mit höherem Aufwand, aber auch mit vergleichbarer Stilistik verfilmte Brian de Palma ein vieldiskutiertes Buch des Krimiautors James Ellroy: Black Dahlia (2006) spielt im Hollywood der Zeit des klassischen „Film Noir” und handelt vom grauenhaften Mord an einer angehenden Schauspielerin. Zwei Polizisten werden mit dem Fall betraut und geraten immer tiefer ins Dickicht der Abgründe und dunklen Geheimnisse jenseits allen Glamours der Traumfabrik. Die schonungslose Entzauberung amerikanischer Mythen wurde von de Palma mit zahlreichen Reminiszenzen an sein Idol Alfred Hitchcock umgesetzt.

Stilsicher geht auch David Fincher in Zodiac (2007) vor, dabei konzentriert er sich besonders stark auf die Arbeit und die Charakterzeichnung der vier Detektive, die einem rätselhaften Serienkiller auf der Spur sind. Von der scheinbaren Sinnlosigkeit und Beliebigkeit der Bluttaten gleichzeitig angewidert und angezogen lassen sie sich auf eine jahrzehntelange Mördersuche ein. Fincher verfilmte einen wahren Fall und hielt sich dabei an die Tatsachenberichte des ermittelnden Journalisten Robert Graysmith. Der Film scheint der untypischste Noir-Film zu sein, hält sich aber an die von Fincher auch in Seven (1995) oder The Game (1997) umgesetzten Grundsätze großer Spannung mit einer düsteren Hintergrundgeschichte.

Text: Martin Koch

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