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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neuroethik und Film

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  18.11.2008  19:15 Uhr  Fr. OmU  Schmetterling und Taucherglocke
 Dienstag  25.11.2008  19:15 Uhr    Licht im Dunkel
 Dienstag  02.12.2008  19:15 Uhr    An ihrer Seite
 Montag  08.12.2008  19:30 Uhr    Wie Handschuhe voll Sand - Leben mit der Krankheit ALS
 Dienstag  09.12.2008  19:30 Uhr  En. OmU  Vergiss mein nicht!

Auf den Kopf gestellt

Schon seit einiger Zeit ist die Neurowissenschaft als Wissenschaft vom Aufbau und Funktionsweise des Nervensystems ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Bereits Hippokrates identifizierte das Gehirn als Sitz der Empfindung und Intelligenz – eine Erkenntnis, die heute als selbstverständlich empfunden wird. Durch ein immer besseres Verständnis der anatomischen Strukturen und physiologischen Vorgänge, sowie der hieraus resultierenden Möglichkeiten, auf Hirnvorgänge Einfluss zu nehmen, ergeben sich neuartige ethische Fragestellungen. Denn dem Gehirn als „Zentrale“ menschlicher Identität und Persönlichkeit sowie als „Träger“ menschlichen Geistes kommt insbesondere durch die derzeitigen neurowissenschaftlichen Entwicklungen und Erkenntnisse der Hirnforschung eine herausragende Rolle zu.
In Kooperation mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Freiburg wollen wir die Spuren dieser Thematik im Film näher beleuchten, und uns dabei auf zwei Aspekte konzentrieren. Zum einen auf einschneidende Einschränkungen der Kommunikationsfähigkeit, wie sie in Schmetterling und Taucherglocke gezeigt werden. Der Film basiert auf der Biographie des ehemaligen Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby, welcher durch einen Schlaganfall im Hirnstamm gelähmt wurde und daraufhin nur noch ein Auge bewegen und nur über dieses kommunizieren konnte. Für die meisten Menschen ist diese „Eingeschlossenheit“ und das Leben damit wohl unvorstellbar, doch zeigt der Film in sehr beeindruckender Weise, wie der Geist mit derartigen Einschränkungen umgehen kann. Im Dokumentarfilm Wie Handschuhe voll Sand – Leben mit der Krankheit ALS der Freiburger Regisseurin Reinhild Dettmer-Finke werden
Patienten mit der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose portraitiert, welche – ähnlich wie Jörg Immendoff oder Stephen Hawking – an fortschreitenden und irreversiblen Lähmungen leiden, denen sich aber auch neue und positive Seiten des Lebens eröffnen. Im eindringlichen Klassiker Licht im Dunkel wird schließlich der authentische Fall eines taub-blinden Mädchens dargestellt, welches am Ende des 19. Jahrhunderts in einem Dorf in den USA aufwächst.
Der zweite Aspekt von „Neuroethik im Film“ betrifft individuelle Erinnerungen und Möglichkeiten, diese gezielt zu verändern. In Vergiss mein nicht! wird von der – bislang fiktiven – Möglichkeit Gebrauch gemacht, unliebsame Erinnerungen auszuradieren. Ein derzeit hingegen schon sehr akutes Problem ist demenzieller Gedächtnisverfall, welcher bei immer mehr älteren Menschen durch Erkrankungen wie Alzheimer auftritt. Als aufmerksames Portrait eines langjährigen Ehepaares, in welchem die Ehefrau durch Alzheimer nach und nach den Bezug zu ihrem Mann verliert, zeigen wir das beeindruckende Regie-Debüt An ihrer Seite von Sarah Polley.
Zu den Filmen wird es jeweils eine Einführung bzw. anschließende Diskussion geben.

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup

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