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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neue deutsche Filme – die Filmemacherin Doris Dörrie

Filme dieser Reihe:
 Freitag  31.10.2008  19:45 Uhr    Nackt
 Dienstag  11.11.2008  19:15 Uhr    Kirschblüten – Hanami
 Freitag  21.11.2008  19:45 Uhr    Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte
Neben Margarethe von Trotta und Caroline Link zählt die aus Hannover stammende Doris Dörrie zweifellos zu den bedeutendsten und erfolgreichsten deutschen Filmemacherinnen. Ihr Markenzeichen ist vor allem die schillernde Vielseitigkeit - neben ihren filmischen Arbeiten aus so unterschiedlichen Genres wie dem Dokumentarfilm, der Komödie, aber auch zuweilen dem Drama und dem Kinderfilm, schreibt sie erfolgreich Bücher, Kurzgeschichten und Essays, unterrichtet an einer Hochschule oder inszeniert regelmäßig Opern an der Berliner Staatsoper.
Die 1955 geborene und heute in München lebende Regisseurin studierte und jobbte nach dem Abitur in den USA, wo sie sich unter anderem ihre Brötchen bzw. Bagels als Filmvorführerin in New York verdiente. Ab 1976 drehte sie erste Dokumentarfilme, bald auch Fernseh- und Kinderfilme. Ein erster Durchbruch gelang ihr 1983 mit dem Drama Mitten ins Herz, das als deutscher Beitrag auf den Filmfestspielen in Venedig gezeigt wurde. Ihr größter kommerzieller Erfolg wurde die quirlige Beziehungskomödie Männer (1985). Das Publikum liebte Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht als Manager Julius, der aussteigen will, und Aussteiger Stefan, der Geschmack an der Karriere bekommt. Der Film mit dem Gorillakostüm erreichte fast 6 Millionen Zuschauer im Kino, wurde einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt und war einer der Auslöser für das folgende sogenannte „deutsche Komödienwunder“ mit seinen Höhen und Tiefen. Selbstbewusst blieb sie ihren Ambitionen treu, als sie es ausschlug, den Film als Remake in Hollywood nochmals zu drehen.
Den Sprung ins ganz große Business wagte sie dennoch: An der Seite des hollywooderprobten Produzenten Bernd Eichinger drehte sie die Komödie Ich und Er (1988), eine internationale Großproduktion, die zwar 3 Millionen Zuschauer fand, von ihr selbst aber als „schrecklich“ bezeichnet wurde - und so kehrte sie Hollywood den Rücken. Die Filmemacherin hatte eigene Visionen und wollte sich weder auf die Repetition des Erfolgsrezepts Männer festnageln lassen noch sich erneut von glatten Großproduktionen locken lassen. So folgten Jahre der Suche, an den lawinenartigen Erfolg ihrer Männer kam sie nicht mehr heran, nachfolgende Filme wie Paradies (1986) oder Geld (1988) hatten erheblich weniger Erfolg.
Ein beachtlicher kommerzieller wie künstlerischer Erfolg gelang ihr in der Folge mit Keiner liebt mich (1993). Weniger realistisch und geradlinig als viele ihrer Filme bevölkern hier seltsame Figuren einen geheimnisvollen Kölner Wohnblock zwischen Eisenbahnschienen und Brachland, der immer mehr zu einem archaischen Reich der Träume wird. Ein Hauch von Fellini umweht das Gebäude und seine Bewohner, welche von Dörries eigenem Kurzgeschichtenband „Für immer und ewig“ inspiriert wurden. Die Spanienliebe der Deutschen thematisierte sie in der unterhaltenden Komödie Bin ich schön? (1997). Einen Schritt in Richtung Theater unternahm die Regisseurin 2002 mit dem kammerspielartigen Film Nackt (2002), einem faszinierenden, packenden Beziehungsdrama mit großartiger Besetzung.
Seit langer Zeit schon interessiert sich die Regisseurin für Japan, seine Kultur und den Zen-Buddhismus. Bereits in Erleuchtung garantiert (1998) schickte sie den unverwüstlichen Uwe Ochsenknecht in ein fernöstliches Kloster. Ihre Japanliebe zeigte sich in der Folgezeit auch in Der Fischer und seine Frau (2004), dem Dokumentarfilm How to cook your life (2007) und in ihrem neuesten Werk Kirschblüten - Hanami (2008), das bei seiner Premiere auf der Berlinale Aufsehen erregte, rund eine Million Zuschauer im Kino rührte und vor allem den hervorragenden Schauspielern, allen voran Elmar Wepper und Hannelore Elsner, zu Recht Auszeichnungen einbrachte.
Im beeindruckenden Dokuprojekt Auge in Auge ist sie eine von zehn FilmemacherInnen, die anhand ihrer persönlichen Lieblingsfilme die Bausteine für eine subjektive Geschichte des deutschen Films liefert, eine faszinierende Reise vom Stummfilm bis heute.
Immer wieder stehen im Werk der umtriebigen Regisseurin neben aufwändigen Großprojekten auch kleine Produktionen. Nicht zuletzt mit ihrem neuesten Film Kirschblüten - Hanami bewies sie anschaulich, dass sie auch die niedrigen Budgets schätzt und beherrscht: ein sehr kleines Team, nur 3 Mio. Etat, wenig Arbeitsteilung im Team, was eine viel unmittelbarere Arbeit mit den Schauspielern mit sich bringt, aber auch einen anderen Bezug zur Wirklichkeit jenseits des Sets, „[...] wenn ich mich in die Wirklichkeit einschleichen kann, Prozesse sich entwickeln können, ohne dass ich [...] die ganze Straße absperre und die gesamte Realität des Raums umbaue, also eine neue Realität herstelle. Ich persönlich bringe die Realität lieber dazu, freiwillig mitzuspielen“, so die Filmemacherin jüngst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Denn: „Es gibt Dinge, die kann ich mir nicht ausdenken, die kann ich nur finden.“

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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