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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Der Krieg gegen den Terror und seine Folgen

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  28.01.2009  19:30 Uhr  En. OmU  Standard Operating Procedure
 Mittwoch  04.02.2009  19:30 Uhr    Machtlos
 Montag  09.02.2009  20:15 Uhr    Sprechblasen gegen Krieg und Terror
 Mittwoch  11.02.2009  19:30 Uhr    Im Tal von Elah
Kein Zweifel: Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. Die westlichen Industriestaaten haben ihre nach dem Ende des Kalten Krieges gewonnen geglaubte Sicherheit verloren. Anstelle von Liberalisierung und unbegrenzter Freiheit ist die Konfrontation mit einem nicht lokalisierbaren unsichtbaren Gegner gerückt. Dagegen müssen sich auch demokratische Staaten zur Wehr setzen. Die Frage ist nur: Wie – und um welchen Preis?
Damit setzen sich sieben Jahre nach den verhängnisvollen Anschlägen auch immer mehr Filmemacher auseinander. Vor allem geht es dabei um die Folgen für die Lage der Menschenrechte, mit der sich auch die in diesem Semester schon gelaufene Amnesty-International-Reihe befasst hat. Anknüpfend an den hervorragenden Road to Guantanamo (2006) zeigen wir drei amerikanische Produktionen, welche die haarsträubenden Konsequenzen einer vermeintlich im Dienste der Sicherheit vorgenommene Relativierung von Grundrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien thematisieren: Gavin Hoods Machtlos (Rendition, 2007), Errol Morris‘ Standard Operating Procedure (2008) und Paul Haggis‘ Im Tal von Elah (2008). Während sich Im Tal von Elah um die Zerstörung der patriotischen Illusionen des Vaters eines verstorbenen Irak-Heimkehrers dreht, stellen Rendition und Standard Operation Procedure die neue Rolle des amerikanischen Staates deutlich in Frage, sprich: Wie viel Macht und welche Rechte dürfen Bürger an einen vor dem globalen Terror schützenden Weltpolizeistaat abgeben? Und vor allem: wie setzt der Staat diese neuen Befugnisse um. Für den Einzelnen, der aufgrund unglücklicher Umstände in die Mühlen der global operierenden Behörden gerät steht der arabischstämmige US-Geschäftsreisende Anwar El-Ibrahimi in Rendition. Nachdem er in Südafrika unter Terrorverdacht festgenommen wird, weigert sich die US-Regierung irgendwelche Informationen an seine Familie herauszugeben und überlässt ihn Folterknechten, die ein Geständnis aus ihm herauspressen sollen. Die Begründung einer hier auftretenden Senatorin lautet: Nur durch Prävention kann eine Wiederholung terroristischer Anschläge vermieden werden. Was sie nicht sagt:
Die hier gezeigte Prävention findet ohne auch nur juristisch überzeugende
Begründung statt.
Womit wir beim Thema Foltergefängnisse wären, über die Errol Morris den in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichneten Dokumentarfilm Standard Operating Procedure gedreht hat. Alle Hauptakteure des Folterskandals von Abu Ghraib hat die Investigativ-Ikone in langen Interviews zu den Vorgängen befragt. Heraus kommt ein quälend offenes Bild einer Parallelwelt, in der Verrohung und Banalisierung von Folter und Tod an der Tagesordnung sind. Die Frage, ob das alles noch dem Schutz demokratischer Werte oder gar der Verwirklichung einer freieren Welt dienen soll, hat hier längst ihre Bedeutung verloren.
Wie auch für die in Im Tal von Elah gezeigten Irak-Kriegs-Veteranen, die als von der Überforderung, ein völlig unbekanntes Land gewaltsam erobern und wieder aufbauen zu müssen, zerfressene junge Leute dargestellt werden. Wie schnell ihr vermeintliches Heldentum bei der Suche des Patrioten Hank Deerfield nach der Todesursache seines zurückgekehrten Sohnes entzaubert und einer ungleich härteren Realität gegenüber gestellt wird ist so konsequent wie schockierend umgesetzt.
Alle drei Filme kombinieren hochaktuelle Fragen mit einer beklemmenden Atmosphäre, weil sie den rechtschaffenen Motiven für den Krieg gegen den Terror, das hässliche Gesicht seiner Folgen und Auswüchse gegenüberstellen. Der filmischen Verarbeitung der Schrecken im fernen Vietnam stehen spätestens jetzt die in bewegten Bilder gefassten Auswüchse des Kriegs gegen den Terror gegenüber. Der Unterschied: Wie die Anschläge begegnen uns auch die Antworten auf diese nicht nur in einem Land, sondern rund um die Welt.

Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch die Filmreihe 60 Jahre Menschenrechte in Kooperation mit amnesty international und UNICEF.

Text: Martin Koch

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