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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neuer Deutscher Film

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  19.05.2009  20:00 Uhr    Novemberkind
 Dienstag  26.05.2009  20:00 Uhr    Ich will da sein – Jenny Gröllmann
 Mittwoch  10.06.2009  20:00 Uhr    Mein Führer
 Dienstag  16.06.2009  20:00 Uhr    Hälfte des Lebens

Die Mühes – eine deutsch-deutsche Schauspielerfamilie

Dieses Semester probieren wir etwas Neues im Rahmen unseres Langzeit-Forschungsprojektes über den neuen deutschen Film: Kein Mix an Aktuellem, keine Werkschau eines Regisseurs, sondern das Porträt einer Schauspielerfamilie.

Anna Maria Mühe ist als Shooting Star des deutschen Films in aller Munde. Gerade erst 23 Jahre alt, kann sie neben Fernsehauftritten in Tatort und Polizeiruf 110 bereits eine ganze Reihe von Kinofilmen aufweisen, wie Was nützt die Liebe in Gedanken (2003), Wir sagen du, Schatz! (2006) oder Novemberkind (2008), der mit dem Publikumspreis auf dem renommierten Max-Ophüls-Festival ausgezeichnet wurde. Der sowohl künstlerisch als auch an den Kinokassen erfolgreiche Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, geboren noch in der DDR, die auf der Suche nach ihrer Mutter und ihrer eigenen Familiengeschichte viele Jahre nach der Wende in den Westen der Republik aufbricht. Ungeachtet aller vorangegangener Erfolge dürfte dieser Film wohl den endgültigen Durchbruch des jungen Schauspieltalentes markieren.

Eine beeindruckende Filmographie haben aber auch die Eltern Anna Maria Mühes aufzuweisen: Die 1947 in Hamburg geborene Jenny Gröllmann wurde bereits in den sechziger Jahren zu einem prominenten Gesicht des DDR-Kino- und Theater-Schaffens, einer der Höhepunkte ihrer Karriere jedoch wurde die bewegende Hölderlin-Verfilmung Hälfte des Lebens. Durch diesen Film von Herrmann Zschoche wurden sie und ihr Filmpartner Ulrich Mühe, der als renommierter Theaterdarsteller hier sein Leinwanddebüt gab, zu einem der Traumpaare des DEFA-Films. Ein Insel-Bändchen mit Hölderlins Gedichten wurde nach dem Anlaufen des Films in der DDR zum Bestseller. Die großen Gefühle, die Hölderlin und seine Gefährtin bewegten, verwandelten sich aber auch hinter der Leinwand zu einer großen Liebesgeschichte – aus der Ehe der beiden Charakterdarsteller ging die gemeinsame Tochter Anna Maria Mühe hervor.

Durch ihre überzeugende Schauspielkunst konnten beide auch nach der Wende sowohl im Film als auch auf der Theaterbühne ihre Karriere erfolgreich fortführen; Jenny Gröllmann gelang zusätzlich der Sprung ins Qualitäts-Segment der Fernsehproduktionen, während Ulrich Mühe mit seiner Hauptrolle in Das Leben der Anderen sogar bis zum Oscar vorstoßen konnte. Die Vielzahl seiner Film- und Fernsehrollen lässt sich hier nicht aufzählen, neben seiner brillianten Darstellung im oben genannten Stasi-Drama, das wir euch im aka bereits gezeigt haben (und das vor ausverkauftem Haus!), lässt sich anhand von Dani Levys schillernder Hitler-Komödie Mein Führer aber trefflich beweisen, dass Ulrich Mühe auch im Komödienfach alle Register zu ziehen verstand. Der großartige Schauspieler und Publikumsliebling starb überraschend im Jahr 2007.

Bereits ein Jahr zuvor war seine große Leinwandliebe und langjährige Lebensgefährtin Jenny Gröllmann mit Ende 50 an Krebs gestorben. Die Dokumentarfilmemacherin Petra Weisenburger begleitete sie zwei Jahre lang mit der Kamera und zeichnet in Ich will da sein – Jenny Gröllmann ein mitreißendes Porträt vom Schaffen und Leben dieser faszinierenden Schauspielerin und ihres Umfeldes zwischen DDR und BRD.

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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