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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neue deutsche Filme

Filme dieser Reihe:
 Montag  09.11.2009  20:00 Uhr    Eingeschlossen, abgeriegelt – Die Grenze durch Deutschland 1945 – 1990
 Dienstag  24.11.2009  20:00 Uhr  En. OmU  Sturm
 Donnerstag  03.12.2009  20:00 Uhr    Lichter
 Donnerstag  17.12.2009  20:00 Uhr    Die wundersame Welt der Waschkraft
 Mittwoch  13.01.2010  20:00 Uhr    Hotel Sahara

Grenzen, Mauern und das Loch im Zaun

Im November jährt sich zum zwanzigsten Mal der Fall der Berliner Mauer. Unser anhaltendes Forschungsprojekt über den neuen deutschen Film nimmt das Jubiläum zum Anlass, den Blick über die deutsch-deutsche Frage hinaus auf das Phänomen der Grenzen an sich zu richten.
Was sind Grenzen, was bedeuten sie für die Menschen, die vor oder hinter ihnen leben, die drinnen oder draußen sind? Politische Grenzen sorgen für Stabilität oder Konflikte, für Zusammengehörigkeit oder Ausgrenzung. Kulturelle Grenzen und Unterschiede bereichern das Zusammenleben oder trennen Menschen voneinander und sorgen in einem Einwandererland wie Deutschland beständig für Gesprächsstoff und Integrationsdiskussionen. In der Bundesrepublik fiel unter dem Jubel von Millionen von Menschen vor zwanzig Jahren eine Grenze, wenig später entstanden im ehemaligen Jugoslawien zahlreiche neue. Und während sich auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion unzählige neue Grenzen herausbildeten, bemühte man sich in der Europäischen Union, die innereuropäischen mittels Schengen und den Verträgen von Maastricht, Amsterdam und Lissabon zunehmend durchlässiger zu gestalten.
Grenzen sind auch im Film ein wichtiges Thema, ihre Bedeutung als Barriere, als Streitobjekt und als Herausforderung, die es (wie im beliebten Genre des Gefängnis-Ausbrecherfilms) zu überwinden gilt, zieht sich quer durch die Filmgeschichte. Kann es verwundern, wenn gerade im deutschen Kino, mit der so intensiven Erfahrung von Teilung und Wiedervereinigung, ein ausgeprägtes Interesse und eine besondere Sensibilität für dieses Phänomen zu entdecken ist?
Erfreulich, dass dabei nicht nur eine selbstbezogene Nabelschau entstanden ist, denn neben ausgezeichneten Filmen wie Das Leben der Anderen oder Good Bye, Lenin! (beide bereits im aka gezeigt) haben auch die deutschen Außengrenzen das Interesse heimischer Filmemacher geweckt. So hatte der Regisseur Hans-Christian Schmid (dem wir vor einigen Semestern bereits eine Werkschau gewidmet hatten) in seinem vielfach ausgezeichneten Film Lichter die deutsch-polnische Grenze unter die Lupe genommen, und basierend auf den Erlebnissen und Beobachtungen der damaligen Dreharbeiten jetzt die nachdenkliche und faszinierende Dokumentation Die wundersame Welt der Waschkraft gedreht.
In seinem neuesten Werk Sturm dagegen richtet der vielseitige Regisseur den Blick auf das ehemalige Jugoslawien, dessen Zerfall und Aufteilung sich, während Deutschland noch das Ende seiner Teilung feierte, fast vor unserer Haustür vollzog und den Kampf um Grenzen und Identitäten von seiner hässlichsten Seite zeigte. Die deutsche Filmemacherin Bettina Haasen schließlich richtet ihr Interesse in dem eindringlichen Dokumentarfilm Hotel Sahara auf eine ganz andere Grenzerfahrung, nämlich die junger Migranten aus Afrika, deren innigster Traum die Überwindung der europäischen Außengrenzen ist; und deren oft unrealistische Träume und verzweifelte Hoffnungen auf ein besseres Leben sie in einer Transitstation mit der zynischen Bezeichnung "Hotel Sahara" am Rande der gleichnamigen Wüste warten lässt.
Quasi als Prolog dieser Reihe zeigen wir zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls am 9. November die Dokumentation Eingeschlossen, abgeriegelt - Die Grenze durch Deutschland 1945 - 1990.
Drei Dokus, zwei Spielfilme, deutsche, europäische und außereuropäische Blickwinkel und Fragestellungen, eine Auffrischung unserer Schmid-Werkschau und eine junge Nachwuchsregisseurin gilt es zu entdecken in unserer Filmreihe, die den Blick über die Mauer, die offiziellen Feierlichkeiten und Rückblicke hinaus auf zu beantwortende Fragen der Zukunft richten möchte - vielleicht kann uns das Kino ja helfen, unseren Blick ein wenig zu schärfen, während es uns unterhält!?
PS: Im Rahmen unserer Einzelfilme zeigen wir außerdem die internationale Koproduktion The International von Tom Tykwer. Hier geht es auf packende Weise um Großbanken und globale Kapitalströme, die nach dem Fallen der Finanzgrenzen für einen tapferen Interpol-Ermittler und seine Kollegin auf seiner grenzüberschreitenden Jagd nur mühsam und unter Lebensgefahr zu entwirren sind.

Es freut uns sehr, diese Filmreihe in Kooperation mit dem Goethe Institut Freiburg zeigen zu können. Natürlich sind auch alle SprachschülerInnen und Studierenden des Goethe Institutes bei den Veranstaltungen herzlich willkommen!

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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