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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

You’ve Got the Wrong Vampire

Filme dieser Reihe:
 Freitag  13.11.2009  20:00 Uhr    Nosferatu
 Mittwoch  18.11.2009  20:00 Uhr  En. OmU  Tanz der Vampire
 Mittwoch  25.11.2009  20:00 Uhr  DF  The Lost Boys
 Mittwoch  02.12.2009  20:00 Uhr  En. OmU  The Addiction
 Mittwoch  09.12.2009  20:00 Uhr  DF  30 Days of Night
 Freitag  22.01.2010  20:00 Uhr  Kor. OmU  Durst
Aktuelle Tendenzen zeigen eine Wiederbelebung des Vampirmotivs im Film, denn nicht nur mit Twilight (2008) oder dem skandinavischen Horrormärchen So finster die Nacht (2008) zeigen sich literarische und filmische Narrative um die Blutsauger noch lange nicht am Ende. Comicverfilmungen wie Blade (1998), Underworld (2003) und nicht zuletzt Adaptionen wie Queen of the Damned (2001) greifen die „poetischen Wiedergänger“ (Bertschik, 2005) auf und machen aus ihnen düstere Helden oder dunkle Bedrohungen.
Die zahlreichen Dracula-Verfilmungen der 1930er und 1940er Jahre, Namen wie Béla Lugosi oder Christopher Lee, erotisch und künstlerisch orientierte Filme von Warhol, Tony Scott oder Leong etwa zeigen, dass die Diversität und das Angebot des Blutsaugenden aus einem großen Interesse am Thema erwächst. Auch die 1980er und 1990er Jahre sind voll vampirischen Ideenreichtums: Near Dark, Carpenter’s Vampires, From Dusk till Dawn, Interview mit einem Vampir, Bram Stoker’s Dracula, usw. sind nur eine kleine Auswahl der Filme, die noch hätten gezeigt werden müssen, um die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten aufzufächern.
Eindeutige Zuordnungen nach klassischem Muster, in dem der Vampir eine Gefahr für die Lebenden darstellt, erscheinen unmöglich. Viele verschiedene Arten von Vampiren bevölkern die Leinwand, spielen mit vampirmythologischen Stereotypen oder gehen in eine jeweils eigene Richtung. Vampire sind nicht nur verschieden, sie mögen sogar dazu gezwungen sein, wenn sich die Figur des Vampirs von einer mythologischen Schreckgestalt zu einem Träger kultureller und pop-kultureller Diskurse wandelt. Diesem Wandel spüren die ausgewählten Filme nach und um nicht dem „wrong vampire“ anheim zu fallen, suchen sie gar nicht erst nach „the right of the night“.
Mit dem Klassiker Nosferatu (1921) soll die Motivsuche beginnen und der erste Subgenrevertreter des Horrorfilms der 1920er Jahre ist ein historischer Einstieg in narrativer wie filmtechnischer Sicht. Melanie Berger, M.A., wird eine Einführung zu Murnaus Stummfilmklassiker halten. Auf Nosferatu folgt eine Rundreise um das Vampirmotiv, dessen Tradition wie Evolution in den 1970er und 1980er Jahren stets auch eine soziale Selbstbespiegelung zum Inhalt hatte. Roman Polanskis Tanz der Vampire (1967) führt einen Schritt weiter, denn in der satireartigen Geschichte um den Vampirforscher Ambrosius nebst Gehilfen Alfred wird mit dem pathetischen Mythos zugleich das Festhalten an gesellschaftlichen wie filmischen Traditionen ausgetrieben. Nicht abwegig erscheinen anhand der burlesken Inszenierung die Gedanken um tiefer angelegte Motive in diesem Vampirfilm gesellschaftskritischer Art, welche eine Verarbeitung des Holocaust nahelegen. Dieser Spur wird mit einem Vortrag Dr. Heinrich Schwendemanns zum Thema „Vom Trauma eines Holocaustüberlebenden“ zusätzlich nachgegangen.
Einen Gegensatz zu derart geschichtsträchtigen Anspielungen bilden The Lost Boys (1987), wenn Vampire in der Horrorkomödie eine sehenswerte Verbindung mit der Pop- und Rockkultur eingehen. Spätestens hier zeigt sich die Selbstironie einer Generation, die nicht müde wird, im Blutsauger Jugend- wie Subkultur aufleben zu lassen und sich selbst zum Phantastischen erhebt. Ist auch die Erzählung um eine Dracula-Bande mit Lederjacke und Motorrad mehr eine Hommage an das Lebens- wie Lustgefühl der 1980er Jahre, bleibt trotzdem erneut ein Eindruck der Diversität des Vampirmotivs, der sich sehen lassen kann.
The Addiction (1994) von Abel Ferrara hingegen bildet ein ernstes und nachdenkliches Gegenstück zum kitschig-bunt wirkenden 80er-Jahre-Gefühl. In schwarz-weiß gefilmt und mit philosophisch-historisch schwerer Kost erzählen die Bilder von Sucht, Gewalt und dem Bösen im Menschen. Der Vampirmythos dient hierbei als Metapher. Die blutrünstigen Lili Taylor und Christopher Walken nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die düsteren Tiefen des menschlichen Bewusstseins.
Das Vampirmotiv als ästhetischer Diener? Mit 30 Days of Night (2007) ist sicher noch nicht das Ende eines klassischen wie populären Mythos gegeben, aber dafür noch ein Beispiel, wie gezwungen sich die Nachtaktiven in ihre Rollen zu fügen haben. Sie bekommen zwar 30 Tage Zeit, Lebende in einem abgelegenen kanadischen Dorf zu tyrannisieren, der Preis dafür bleibt jedoch weiterhin der Dienst am sich fortentwickelnden Mythos. Svenja Alsmann, M.A., wird vor dem Film einen Vortrag mit dem Titel „Wozu Vampire – Eine kleine Geschichte des Horrors“ halten.
Die Reise ist offen, da aber einzelne Jahrzehnte immer eigene Vorstellungen von Vampiren hervorbrachten, ist zumindest Station zu machen, an der erkenntlich wird, dass Echtheitsdiskussionen schnell zu einer Frage der Zeit werden. Was das Vampirmotiv angeht, wird Echtheit oder Richtigkeit damit überhaupt zur Frage: "Have you got the wrong vampire?"

Text: Jennifer Borrmann, Adrian Gillmann

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