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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Straight but confusing... (David Lynch)

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  14.07.2004  19:00 Uhr  OmU  Mullholland Drive
 Donnerstag  15.07.2004  20:00 Uhr  OmU  The Straight Story
Mit seinem beängstigenden, verwinkelten und zugleich entrückend schönen neuesten Werk eroberte David Lynch Kinopublikum wie Festivaljurys im Sturm: Mulholland Drive bietet Lynch vom Feinsten – eine abgründige, kaum entwirrbare Story, die mit der Logik des Traums in ästhetisch nicht zu überbietenden Bildern die schwärzesten Regionen der menschlichen Seele erforscht. Zahlreiche Filmkritiker feierten das Werk als den Höhepunkt und die Essenz von Lynch’ Filmschaffen.
Mit unserem Lynch-Special wollen wir die beiden aktuellen Filme dieses kontroversen Regisseurs nebeneinanderstellen... ein sicher spannender Vergleich, denn gegensätzlicher könnten sie kaum sein!
1972 begann Lynch mit den Arbeiten an seinem ersten Spielfilm, Eraserhead. Dem Grundton dieses Frühwerks voller alptraumhafter Situationen, Ängste und Obsessionen, ohne Ironie und feinen Humor außer acht zu lassen, blieb er immer treu. Mit der Figur der Laura Palmer aus Twin Peaks schuf er eine Ikone der Popkultur. Dieser enorm erfolgreichen Fernsehserie folgte 1992 der Kinofilm Twin Peaks – Fire walk with me, der von der Tag- und der Nachtseite einer nur scheinbar blütenreinen Mädchenseele erzählt – und damit interessante Parallelen zu Mulholland Drive bietet. Einige Jahre später verschärfte Lynch den Bruch mit den Sehge-wohnheiten des Zuschauers noch weiter: Lost Highway wurde in Cannes bejubelt und bewies, dass das Publikum bereit war, sich auf die Zertrümmerung etablierter Erzählmuster einzulassen. In diesem Film zeigte Lynch die vollkommene Verwandlung eines Charakters in einen anderen in Reinform – wir können es nur hinnehmen, die Erklärung bekommen wir nicht mitgeliefert, jede Interpretation ist zulässig, denn: Der Film läuft in unserem eigenen Kopf, wie Lynch immer wieder betont. Nach dem nicht weniger erfolgreichen, allerdings erheblich geradlinigeren Werk The Straight Story allerdings war nichts mehr wie zuvor. Mit diesem ironisch gewählten Titel reagierte der Regisseur augenzwinkernd auf seine Kritiker, die ihm vorhielten, seine verschlungene Erzählweise mit ihren Symbolen und Widersprüchlichkeiten würde fortwährend am Wunsch des Zuschauers nach schönen, geradlinig erzählten und verständlichen Geschichten vorbeigehen. Dennoch ist der Film weitaus mehr als harmlose Hollywood-Unterhaltung. Der ganz reale Schrecken zu Beginn, der Alvin seine Sterblichkeit bewusst macht, und die fast schon verzweifelte Hartnäckigkeit bei der Umsetzung seines Reiseplans drehen sich trotz des hohen „Schmunzelfaktors“ um existenzielle Fragen. Nachdem Lynch seinen Kritikern verschmitzt die Zunge herausgestreckt hatte und sich dennoch treu geblieben war, griff er mit Mulholland Drive den roten Faden wieder auf, den er von seinen Frühwerken bis Lost Highway gelegt hatte. Der künstlerische und zugleich enorm erfolgreiche Film zieht den Zuschauer hypnotisch in seinen Bann, und das umso mehr, je mehr man bereit ist, sich unter Verzicht auf gängige Logikmuster ganz dem lynch-schen Filmkosmos zu überlassen.

Text: Alexander Sancho-Rauschel & Julia Böcker

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