aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Himmel – Hölle – Heimat

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  20.04.2010  20:00 Uhr    Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte
 Dienstag  27.04.2010  20:00 Uhr    Die Siebtelbauern
 Dienstag  04.05.2010  20:00 Uhr    Same Same but Different
 Dienstag  01.06.2010  18:00 Uhr    Endstation der Sehnsüchte + Full Metal Village
Heimat – Identitäts- und Zugehörigkeitsentwürfe im neuen deutschen Film
Filme spielen natürlich in der Stadt... weil auf dem Land sowieso nichts los ist?! Eine anhaltende Welle neuer Kinofilme straft diesen lange Zeit gültigen Drehbuch-Grundsatz Lügen - was nicht heißen soll, dass es immer nur erfreuliche Dinge wären
, die wir über das hiesige Dorfleben erzählt bekommen.
Und damit sind wir auch schon bei dem entscheidenden Film, der allein bereits eine Aktualisierung unserer ersten aka-Heimatfilm-Reihe vor vier Semestern rechtfertigen würde: Michael Hanekes Meisterstreich Das weiße Band, der überraschende Wettbewerbs-Gewinner beim letztjährigen Filmfestival in Cannes. Beklemmend und faszinierend zugleich schildert der österreichische Regisseur die unheimlichen Vorgänge in einem deutschen Dorf im frühen 20. Jahrhundert.
Auch wenn es nicht in den Kritiken stand: Der düstere Film mit seinen großartig fotografierten Bildern legt nahe, ein weiteres, etwas in Vergessenheit geratenes Kleinod wieder auszugraben: Stefan Ruzowitzkys Ende der Neunziger entstandene, wundervolle und zugleich bitterböse Dorfposse Die Siebtelbauern. Ein ganz anderer Film, humorvoll und leicht, aber kaum weniger schwarz und kritisch in seinen Aussagen über die verschworene Dorfgemeinschaft, die strengen Regeln des Stillhaltens und Schweigens und der erbarmungslosen Hierarchie, die jedem seine Position zuweist und denen ganz unten kaum Luft zum Atmen läßt.
Allgemein läßt sich bei einer ganzen Generation jüngerer Filmemacher ein verstärktes Interesse am lange vergessenen ländlichen Raum beobachten. Die Werke von Hans Steinbichler (Hierankl, Winterreise) und Marcus H. Rosenmüllers bayrische Provinz-Epen (Wer früher stirbt, ist länger tot, Beste Zeit u.a.) hatten wir bereits im Programm, ebenso wie die liebevoll-schräge Doku der Filmemacherin Sung-Hyung Cho, die sich zu einem aka-Publikumsliebling entwickelt hat: Full Metal Village, eine genau beobachtete Studie über das abgelegene Dorf Wacken, das einmal jährlich Europas größtes Heavy-Metal-Festival beherbergt.
Jetzt hat die in Deutschland lebende Südkoreanerin einen neuen Film gedreht, über ausgewanderte deutsch-koreanische Paare, die sich in Südkorea mit ihrem „deutschen“ Dorf ein Stück Heimat zurück nach Asien geholt haben. Nicht weniger skurril als der Vorgänger, legt Endstation der Sehnsüchte auf präzise, dabei aber äußerst humorvolle Weise Vorstellungen und Konzepte von Identität und Zugehörigkeit offen und stellt dabei gängige Modelle des Heimatbegriffs augenzwinkernd in Frage.Während im Fernsehen der Heimatfilm in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Wiederkehr im billigen TV-Film feiert, entwickelt eine neue Generation engagierter, kritischer Regisseure und Autoren parallel dazu eine Art „neuen Heimatfilm“ ohne die oft nationalistischen und rassistischen Untertönen und den Eskapismus des Heimatfilms der Nachkriegszeit - dafür aber bereichert um die Migrantenperspektive wie in Christian Petzolds Jerichow oder Fatih Akins „Kiez-als-Heimat“-Geniestreich Soul Kitchen, oder wie in Christian Petzolds Yella oder Hans-Christian Schmids Lichter bereichert um deutsch-deutsche Identifikationsfragen.

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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