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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

'Eyes Wide Shut' – Tagträume der Kindheit

Filme dieser Reihe:
 Freitag  23.04.2010  20:00 Uhr  DF  Wo die wilden Kerle wohnen
 Freitag  30.04.2010  20:00 Uhr  DF   Coraline
 Freitag  07.05.2010  20:00 Uhr    Pans Labyrinth
 Freitag  14.05.2010  20:00 Uhr  DF  The Fall
Mit geschlossenen und doch weit geöffneten Augen entdecken sie unglaubliche Welten – die Kinder, die schon seit Anfang dieses Jahrhunderts in magische und endlose Fantasiewelten abtauchen. Im Film der vierziger und fünfziger Jahre machten Alice im surrealen Wunderland, Dorothy im himmlisch-verrückten Oz und Peter Pan im wild-abenteuerlichen Nimmerland den Anfang. In den achziger und neunziger Jahren erlebten diese Helden ihre Renaissance, begleitet von Nachwuchshelden, wie Bastian Balthasar Bux in seinen drei „unendlichen Geschichten“. Und nun sind sie wieder da und bringen die Unterstützung großer Regie-Künstler mit: in einer mit ebenso viel Liebe wie düsterer Skurilität geschaffenen Traumwelt erforscht Henry Selicks Coraline das paradiesische aber verwunschene Nachbarhaus des elterlichen Feriendomizils, während Max in Spike Jonzes Wo die wilden Kerle wohnen den Problemen mit seiner Mutter und ihrem neuen Freund entflieht und sich zum König einer Gruppe grimmiger Waldbewohner aufschwingt. Doch auch die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist von mehreren Filmemachern als Quelle ausdrucksstarker Fantasiegeschichten entdeckt worden: 2006 drehten Guillermo del Toro und Tarsem Singh gleichzeitig zwei Fantasy-Dramen und wurden dafür mit denkbar unterschiedlichen Reaktionen bedacht: Während der gegen Ende des Spanischen Bürgerkriegs angesiedelte Pans Labyrinth del Toro vom Außenseiter und B-Film-Produzenten zu einem der gefragtesten Fantasyfilmer seiner Zeit aufsteigen ließ, verstaubte Singhs Film The Fall trotz euphorischem Beifall auf Festivals lange in den Archiven, ehe die Kollegen Spike Jonze und David Fincher dem indischstämmigen Regisseur und seinem oft übergangenen Werk Starthilfe leisteten. Dieser hat mit einen der optisch perfektesten Filme aller Zeiten geschaffen – weswegen The Fall in der Reihe Die schönsten Filme läuft (siehe S. 36). Am Rande der schönen Bilder schwingt bei The Fall aber auch die Düsternis der porträtierten Zeit mit, wozu auch die Handlung einen veritablen Beitrag leistet: in einem Krankkenhaus entwickelt ein Mädchen gemeinsam mit einem verbitterten Ex-Stuntman eine Fantasiegeschichte und dabei entwickelt sich ein Duell zwischen dem pessimistischen Fatalismus des Veteranen und der zukunftsgewandten Lebensfreude des Mädchens. In del Toros Film dagegen ist die Fantasiewelt des Mädchens nicht von Zukunftsgewandheit, sondern von tiefer Angst vor dem grausamen faschistischen Stiefvater, der in seiner abgelegenen Residenz gegen die sozialistischen Rebellen kämpft, geprägt. Pans Labyrinth ist ein so nie dagewesener Mix aus Kriegsdrama und Fantasyfilm, dessen dramatische Handlung an keiner Stelle vorhersehbar ist. Hier von einem Albtraum der Kindheit in bester Tradition von Laughtons Die Nacht des Jägers zu sprechen wäre durchaus passend und wie Laughtons Film ist auch del Toros dreifach oscarprämiertes Meisterwerk künstlerisch über alle Zweifel erhaben.
Alle vier Filme vereinen kunstvoll komponierte Bilder mit unterschiedlich komplexen, aber durchweg abgründigen und nachdenklichen Blicken auf die Kindheit. Gerade nun, da sie im Schatten von Burtons 3D-Alice zu stehen scheinen, können sie so der Zuckerguss-Story dieser Disney-Neuverfilmung einiges an Inhalt entgegensetzen.

Text: Martin Koch

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