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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Tod im Kino

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  18.11.2010  19:30 Uhr  Poln. OmU  Ein kurzer Film über das Töten
 Donnerstag  25.11.2010  20:00 Uhr  Fr. OmU  Die Zeit die bleibt
 Donnerstag  02.12.2010  19:30 Uhr    Der müde Tod (Stummfilm mit Live-Begleitung)
 Donnerstag  09.12.2010  20:00 Uhr    Vortrag: „Tod und Sterben im Film“
 Donnerstag  16.12.2010  20:00 Uhr  DF  Erbarmungslos
Was bringt Zuschauer dazu, ins Kino zu gehen, um Filme zu sehen, die sich mit Krankheit und Tod auseinandersetzen – und dafür auch noch Eintritt zu zahlen? Wohl die Möglichkeit, sich im Dunkeln im Plüschsessel oder auf dem hölzernen Klappstuhl mit den eigenen Ängsten, Sorgen und Hoffnungen auseinanderzusetzen, mit diesen konfrontiert zu werden und Wege aufgezeigt zu bekommen, wie mit dem Leben und seiner Endlichkeit umgegangen werden kann. Durch kaum ein Medium sind unsere Vorstellungen und Bilder von Sterben und Tod derart geprägt wie durch den Film – dargestellt im Band „Schwierige Entscheidungen – Krankheit, Medizin und Ethik im Film“ der Arnoldshainer Texte. Insbesondere seitdem beides immer mehr aus dem öffentlichen Leben verschwindet und in Krankenhäuser und Altenheime verlagert wird. Doch auch als Stilmittel werden der Tod und das Töten seit jeher im Kino eingesetzt, wie die unzähligen Morde in Action- und Westernfilmen eindrücklich zeigen. So soll in dieser Filmreihe, die in Kooperation mit dem Freiburger Institut für Ethik und Geschichte der Medizin stattfindet, anhand exemplarischer Filme aufgespürt werden, wie Tod und Sterben im Film dargestellt werden, und wie wir als Zuschauer mit diesen Tabus umgehen.
In einigen Filmen tritt der Sensenmann persönlich auf, wie in Ingmar Bergmans Das siebente Siegel oder Wim Wenders neuestem Film Palermo Shooting, in dem der kürzlich verstorbene Dennis Hopper den Tod verkörpert. Auch in Der müde Tod (1921), einem der ersten Filme von Fritz Lang, der gleichzeitig einer seiner eindringlichsten ist, ist der Tod in Menschengestalt zu sehen: der Tod ist es leid, dass er nur Schrecken unter den Menschen verbreiten kann – und gibt einer jungen Frau die Chance, ihren Angetrauten wieder zurück ins Leben zu holen, wenn es ihr gelingt, eine von drei Seelen zu retten.
Wohl in kaum einem anderen Genre wird das Morden und Töten derart überspitzt und oft grotesk dargestellt wie im Western – hier wird das Sterben „größer, ärger, brutaler, dramatischer als im wirklichen Leben“ präsentiert, wie der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert konstatiert. Zynisch-brutale Italowestern (siehe ab S. 34) wie Sergio Leones Zwei glorreiche Halunken (1966, mit Clint Eastwood) oder Sergio Corbuccis Leichen pflastern seinen Weg (1968, mit Klaus Kinski) mögen uns Zuschauer aufgrund der abstrakten und dadurch distanzierten Gewaltdarstellung faszinieren, schrecken uns gleichzeitig aber auch ab. In Erbarmungslos (1992), den Eastwood drehte, als der Western bereits totgesagt war, erkennt der erschöpfte Western-Held seine eigene Gewalttätigkeit als Niederlage und raubt ihr jede vermeintliche Romantik.
Krzysztof Kieslowski zeigt in Ein kurzer Film über das Töten (1988), der im Rahmen seines Dekalog-Zyklus über die Zehn Gebote entstand, den Akt des Tötens in seiner unerträglichen, realistischen Grausamkeit – und die Logik, aus der heraus es zu einer solchen Tat kommen kann. Sowohl die Tätigkeit des Mörders als auch die seiner Henker, die die Todesstrafe vollziehen, werden auf drastische, doch zutiefst humanistische Weise dargestellt.
Schließlich wollen wir auch einen Blick auf Filme werfen, die sich mit dem „natürlichen“ Sterben beschäftigen. So zeigte schon Akira Kurosawa in Ikiru – Einmal wirklich leben (1952) nachdrücklich auf, wie die Nachricht eines baldigen Todes das Leben und die eigenen Pläne, Ziele und Prioritäten verändern kann. In den letzten Jahren entstand u.a. mit Mein Leben ohne mich, Die Invasion der Barbaren, Das Meer in mir, Schmetterling und Taucherglocke eine große Anzahl von Filmen, die sich mit Krankheit und Sterben explizit auseinander setzten. Auch Sterbehilfe ist vermehrt ein Thema, wie z.B. in Million Dollar Baby, in dem Clint Eastwood seine eigenen Vorstellungen vom Sterben auf die Leinwand gebracht hat. Mit Die Zeit die bleibt ist François Ozon ein unsentimentales und doch bewegendes Portrait eines jungen, erfolgreichen Modefotografens gelungen, der sich von der Diagnose eines schnell verlaufenden Krebses scheinbar kaum beeindrucken lässt. Doch im Laufe der Zeit ist zu spüren, wie die Krankheit ihn zwingt, seine Haltung zum Leben zu überdenken.
Wir freuen uns auch sehr über die Stummfilmbegleitung zu Der müde Tod durch Günter A. Buchwald. Außerdem konnten wir mit Dr. Kurt W. Schmidt vom Zentrum für Ethik in der Medizin am Markus-Krankenhaus in Frankfurt a. M. einen ausgewiesenen Kenner des Themas gewinnen, der im Rahmen der Reihe anhand zahlreicher Filmausschnitte einen Vortrag zu „Tod und Sterben im Film“ halten wird.

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup

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