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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Andreas Dresen

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  23.06.2004  19:45 Uhr  DF  Nachtgestalten
 Mittwoch  30.06.2004  20:00 Uhr  DF  Die Polizistin
 Mittwoch  07.07.2004  19:45 Uhr  DF  Halbe Treppe
 Mittwoch  21.07.2004  20:00 Uhr  DF  Herr Wichmann von der CDU
Nach zehn Jahren „Komödienstadl“ beim deutschen Film im Stil von Buck und Wortmann taucht plötzlich ein neuer Stil auf, neue Inhalte und ein neuer Realitätssinn, freute sich die FAZ, als Andreas Dresen vor zwei Jahren auf der Berlinale mit dem ‚Großen Preis der Jury’ einen silbernen Bären gewann. Der 1963 in Gera geborene Regisseur, der nach einem Volontariat beim DEFA-Spielfilmstudio der DDR Regie in Babelsberg/Potsdam studiert hatte, wurde schnell zu einem der bedeutendsten Krea-tiven des deutschen Films. Da er mit dem Filme-machen erst nach der Wende begann, spricht er zwar von seiner unver-kennbar „ostdeutschen Identität“, will sich aber keineswegs in die Schub-lade der „typischen Ost-Filmemacher“ stecken las-sen. Er beschäftige sich lieber mit der gesamtdeutschen Realität als mit der DDR-Vergangenheit, betonte er im Interview. „Mich interessieren mehr die Risse zwischen oben und unten als zwischen Ost und West“, so Dresen.
Nicht erst in seinem größten Erfolg Halbe Treppe (2001), sondern bereits in Nachtgestalten (1999) versuchte er, ein realistischeres Stadtbild zu zeichnen, das, so der Regisseur, „auch die Menschen zeigt, die nicht im Scheinwerferlicht stehen, jene, die aus dem sozialen Netz der Gesellschaft herausfallen“. Nach seinem vielbeachteten Debütfilm Stilles Land (1992) über eine Theaterinszenierung in der DDR-Provinz zur Zeit des Mauerfalls folgte die von der Kritik gelobte Doku Kuckuckskinder (1994), dann widmete sich Dresen dem Theater und verschiedenen kleineren Fernsehproduktionen wie dem sehr schönen Schuldrama Raus aus der Haut (1997). Ein ungewöhnlich berührender und zugleich scharf beobachtender Fernsehfilm gelang ihm 2000 mit Die Polizistin, der so begeisterte Kritiken erhielt, dass er nachträglich den Sprung ins Kino schaffte. Sein neuestes Werk, Herr Wichmann von der CDU (2002/2003), eine Rückkehr des Filmemachers zum Dokumentarfilm, entwickelte ein Kultpotential, das nur mit der wunderbaren Blume der Hausfrau vergleichbar sein dürfte.
Aber nicht nur inhaltlich, auch stilistisch beschreitet Dresen im deutschen Film neue Wege. Als bekennender Anhänger des ‚Dogma’-Konzepts der wilden Dänen schuf er eine ganz eigene Form des technischen Minimalismus: beim Dreh von Halbe Treppe stand jeweils nur der Titel der zu drehenden Szene fest, alles weitere wurde vom Team und den Schauspielern spontan entwickelt. Denn „Schauspieler, eine Kamera, ein Tonbandgerät und Phantasie“, so Dresen, reichen völlig aus für einen schönen Film.

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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