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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Kafka im Kino

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  18.01.2011  20:00 Uhr    Kafkas Kino - "Der Andere" und frühe Stummfilme
 Dienstag  25.01.2011  20:00 Uhr    Das Schloss
 Dienstag  01.02.2011  20:00 Uhr  En. OmU  Kafka-Überraschungsfilm
 Dienstag  08.02.2011  20:00 Uhr  En. OmU  Kafka

„Man muss sich am Leben erhalten für den Kinematographen“

Relativ unbekannt blieb lange, dass Franz Kafka (1883-1924) sich schon früh für das Medium Film interessierte – bereits 1907 sah er in den ersten Lichtspieltheatern Prags Filme, und verfolgte daraufhin das Kinogeschehen genau. Angeregt vom aufschlussreichen Buch „Kafka und der Film – Über kinematographisches Erzählen“ des Literaturprofessors Peter-André Alt möchten wir daher mit dieser Filmreihe einerseits beleuchten, inwieweit Kafka sich vom Kino hat inspirieren lassen, und andererseits, wie im Kino wiederum sein literarisches Werk auf die Leinwand gebracht wurde.
Seine wohl wichtigste Anregung fand Kafka in der Erzählstruktur des Filmes, im „kinematographischen Bild“, das keinen Momentaufnahmen entspricht, sondern als Abfolge von Einzelbildern im Zuschauer den Eindruck der Bewegtheit entstehen lässt. So finden sich in seinen Texten oft entsprechende Sequenzen, begleitet vom Kamera-artigen Auge des Erzählers. Dieses bildet teilweise ein Panorama ab, fokussiert sich dann aber oft in „Naheinstellungen“ auf den Protagonisten. Ihm selber kam es zupass, dass die Kaskaden von Assoziationen, welche Filmbilder in ihm auslösten, seine Phantasie anregten und so „Selbstvergessenheit“ simulierten. Als beispielhaftes Filmprogramm aus der damaligen Frühzeit des Kinos zeigen wir einige Kurzfilme, die unter dem Stichwort Kino der Attraktionen mit witzigen, exotischen und majestätischen Aufnahmen den damaligen Zuschauern Anregung und Zerstreuung boten. Aber Kafka baute auch Film-Bilder in seine Romane und Erzählungen ein. So ist belegt, dass er verschiedenste Eindrücke aus dem Doppelgänger-Film Der Andere (1913) in seinem thematisch ähnlich angesiedelten Romanfragment „Der Prozeß“ verwendete – und teilweise wieder strich, wo ihm die Nähe wohl zu deutlich vorkam.
Schließlich stellt sich die Frage, wie das Kino mit Kafkas Werk umgehen kann – und inwieweit das Wagnis gelingen kann, die beklemmenden, soghaften Textfragmente treffend filmisch umzusetzen. Ein großer Klassiker unter den relativ wenigen Kafka-Verfilmungen ist Der Prozeß von Orson Welles (1962), in welchem ihm zusammen mit Anthony Perkins und Romy Schneider eine relativ freie aber sehr fesselnde Adaption des Romanfragments geglückt ist. Hervorzuheben sind insbesondere die grandiosen, expressionistischen Bildräume, durch die die Figuren irren, ohne einen Ausweg zu finden.
Aufgrund dieser schon bestehenden, spektakulären Verfilmung wandte sich Michael Haneke stattdessen mit Das Schloss (1997) dem anderen großen Roman Kafkas zu. Dabei hielt er sich sehr nahe am Text. Ulrich Mühe gelang das Kunststück, als „K.“ ähnlich wie den Lesern auch den Zuschauern eine Projektionsfläche zu bieten – der man sich kaum entziehen kann, sobald man es wagt, sich auf die Widersprüche und Abgründe dieser universellen Figur einzulassen.
Steven Soderbergh traute sich in Kafka (1991) eine ganze Kafka-Film-Welt entstehen zu lassen – und vermischte dabei biographische Elemente mit Figuren und Motiven aus den Romanen. Entstanden ist ein aus- und eindrucksvoller Thriller, der zwar sicher nicht jeden Kafka-Jünger restlos überzeugen kann, doch als filmische Hommage an den Meister durchaus spannend ist.
Zum Abschluss ein Zitat von Adorno, der Kafka attestierte, dass seine Texte auf den Leser zusteuerten „wie Lokomotiven aufs Publikum in der jüngsten, dreidimensionalen Filmtechnik.“

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup

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