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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Into the mind

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  24.11.2010  20:00 Uhr  En. OmU  Inception
 Mittwoch  01.12.2010  20:00 Uhr  En. OmU  Shutter Island
 Mittwoch  08.12.2010  20:00 Uhr  Jap. OmU  Rashomon - Tor der guten Geister
 Mittwoch  15.12.2010  20:00 Uhr  En. OmU  eXistenZ
 Mittwoch  12.01.2011  20:00 Uhr  DF  Psycho

Fragile Realitäten im Kinofilm

Was ist real und was ist Fiktion? Diese Frage sollte man normalerweise klar beantworten können, außer, man leidet im schlimmsten Fall unter Wahrnehmungsstörungen oder sieht in einem deutlich erfreulicheren Fall gerade einen Film, der mit den Grenzen von Schein und Sein spielt. Schon immer bevölkern Fantasiegestalten, Traumwelten und imaginäre alter egos die Welt des Films.
1950 initiierte Rashomon von Akira Kurosawa revolutionäre Veränderungen des filmischen Erzählens, indem er die gleiche Geschichte in vier perspektivenabhängigen Versionen erzählte und damit zeigte, dass es in manchen Fällen keine objektive Wahrheit, sondern mehrere subjektiv bedingte Möglichkeiten gibt. Das Kino bietet in diesem Fall ein intensives Filmerlebnis, das sich direkt an die menschliche Wahrnehmung anlehnt und der Zuschauer versetzt sich ins die Gedanken der vier Protagonisten, unternimmt also vier Reisen in die Welt der Vorstellungskraft und des Denkens. „Into the Mind“ eben.
Plastischer fällt diese Reise im taufrischen Fantasyfilm Inception aus, denn in diesem begibt sich ein Spezialistenteam tatsächlich in die Gedankenwelten ihrer Opfer während diese schlafen, wobei die Gedankenwelten, genauer: Traumwelten, als ausgeklügelte Geflechte mit eigenen Regeln dargestellt werden. Der stets zu neuen Ufern strebende Regisseur Christopher Nolan entwickelt aus dieser Grundlage ein atemloses und vielschichtiges Spiel, das nie langweilig wird.
Mit Altmeister Martin Scorsese geht es nach Shutter Island, der Insel, auf der die Wahrnehmung verrückt spielt. Was wir auf dieser Reise in das Reich des Wahnsinns tatsächlich gesehen haben, klärt sich erst am Ende. Als weiteren Klassiker neben Rashomon zeigen wir Hitchcocks Psycho, dessen legendärste Szene einen zu seiner Zeit revolutionären Bruch mit konventionellen Erzählstrategien darstellte, während der Film Einblick in ein überaus verwirrtes Hirn gewährte. Eine Referenz an fragile Realitäten im Zeitalter der Computerspiele bietet David Cronenberg mit ExistenZ, in dem ein neues Computerspiel die Grenzen zwischen Adventure-Handlung und Lebensrealität kräftig durcheinanderwirbelt.
Die Liste von vergleichbaren Filmen ist lang und enthält beispielsweise Filme wie Die üblichen Verdächtigen, Fight Club, Identität oder Abre los ojos. Sie alle nutzen die Illusionsmaschine Kino, um angebliche Wahrheiten erst zu präsentieren, um sie anschließend durch tollkühne Twists zu brechen, umzudeuten oder in Frage zu stellen. Damit bereichern sie die Kinogeschichten mit Geschichten über fragwürdige Realitäten, die auch nach dem Kinobesuch zum Überdenken und Diskutieren des Gesehenen anregen. Denn eine jede Reise „Into the Mind“ fordert auch die Gedanken der Zuschauer heraus.

Text: Martin Koch

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