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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Isabelle Huppert

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  21.04.2004  19:30 Uhr  OmU  Biester
 Mittwoch  28.04.2004  20:00 Uhr  OmU  Süßes Gift
 Mittwoch  12.05.2004  19:45 Uhr  DF  Wolfszeit

ein schöner Unfall

Isabelle Huppert, die 1955 in Paris geboren wurde, ist eine der wichtigsten französischen Schauspielerinnen. Sie hat ihre ganz eigene Ausstrahlung, ein wenig kühl, aber nicht unnahbar. In der Wahl ihrer Rollen zeigt sie einen Hang zu Frauengestalten mit psychischen Abgründen: Ob das nun Mordgelüste, religiöser Fanatismus oder der Hang zum Sadomasochismus sind, Huppert gelingt es, diese schwierigen Charktere sehr nuanciert und mit Würde darzustellen. Das besondere an ihrem Schauspiel ist auch eine gewisse Zurückhaltung, die ihren Rollen oft etwas Rätselhaftes verleiht. So sagt Huppert auch in einem Zeit-Interview, ihr Spiel sei eher „matt und neutral“, da Leben nämlich auch eher aus „ matten neutralen Attituden“ bestände „und nicht aus expressiven Grimassen“ (Die Zeit 1/2004).
Huppert besuchte das Conservatoir d’Art Dramatique und begann zunächst eine Theaterkarriere. 1971 kam sie zum Kino und arbeitete mit ganz unterschiedlichen Regisseuren zusammen. Am intensivsten war jedoch ihre Zusammenarbeit mit Claude Chabrol, durch dessen Filme sie in erster Linie bekannt wurde. So bekam sie für ihre Rolle in Chabrols Violette Nozière 1978 den Darstellerpreis in Cannes. In den letzen Jahren wurde der österreichische Regisseur Michael Haneke für Isabelle Hupperts Schaffen wichtig. Für ihre Rolle in Hanekes Film Die Klavierspielerin (Den wir im Rahmen unserer Österreichreihe zeigen, siehe Seite 31) erhielt Huppert 2001 ihren zweiten Darstellerpreis in Cannes.
In dieser Reihe sollen jeweils zwei Filme von Isabelles Hupperts beiden Lieblingsregisseuren gezeigt werden. In La Cérémonie und Merci pour le Chocolat, zwei psychologisch brillanten Krimis von Chabrol, wird die Brüchigkeit des bourgeoisen Heims gezeigt. Hupperts Rolle in Hanekes Klavierspielerin ist vielleicht eine ihrer größten Herausforderungen und zeigt wieder ihre Begabung für kritische Frauengestalten. In Wolfszeit spielt sie eine Mutter, die manchmal seltsam passiv wirkt.
Eine Verbindung zwischen diesen vier Filmen ist die Musik, die überall eine wichtige Rolle spielt. So ist der Familienvater in La Cérémonie ein großer Liebhaber von klassischer Musik und Blut fließt bei den Tönen von Don Giovanni. In Merci pour le chocolat ist einer der Hauptdarsteller ein bekannter Konzertkomponist. Zu Schuberts Klängen verliebt sich in Die Pianistin ein junger Student in seine Klavierlehrerin und in Wolfszeit, einem Film ohne Filmmusik, bietet ein Kassette mit klassischer Musik Trost und auch ein wenig Hoffnung in der allgemeinen Verlorenheit. Auch privat ist Isabelle Huppert Musik sehr wichtig, sie spielt selbst Klavier und hält Musik für die bedeutendste Kunstform.
Bei all ihrem Erfolg behält Huppert auch eine gewisse Selbstironie und verklärt ihren Beruf nicht: „Das Klischee, dass ein Schauspieler in die Haut eines anderen Menschen schlüpft, sollte man meines Erachtens auf den Müll werfen, denn ich bin ich, und die Figur kommt wie ein Unfall.“ (Die Zeit 1/2004) Na dann Hals und Beinbruch! Wir hoffen auf weitere schöne Unfälle.

Text: Katharina Lepik

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