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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Aki Kaurismäki und die Verlierer

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  01.02.2012  20:00 Uhr  35 mm, Fin. OmU  Wolken ziehen vorüber
 Mittwoch  08.02.2012  20:00 Uhr  35 mm, Fin. OmU  Der Mann ohne Vergangenheit
 Mittwoch  15.02.2012  20:00 Uhr  35 mm, Fin. OmU  Lichter der Vorstadt
Der finnische Meister der Lakonie wurde 1957 in einem Dorf in der Nähe Helsinkis geboren. Nach seinem Literaturstudium arbeitete er als Filmkritiker und leitete nach diversen Gelegenheitsjobs seine eigene Filmzeitschrift. Nebenher schrieb er Drehbücher für seinen älteren Bruder Mika. Mit der parodistischen Shakespeare-Adaption Hamlet goes Business, die 1987 im Forum des Jungen Films auf der Berlinale lief, wurde er erstmals einem größeren Publikum bekannt, bevor mit Ariel 1988 und dann ein Jahr später mit den Leningrad Cowboys go America, einem Roadmovie über eine finnische Polka-Rock-Band in Amerika, der endgültige internationale Erfolg kam.

Kaurismäkis Filme handeln meist von Personen aus der Arbeiterklasse - Verkäuferinnen, Fabrikarbeiterinnen, Bergleute, Kleingauner, Polizistinnen und Müllmänner – die mit vielen Widrigkeiten im Leben zu kämpfen haben, welche sie allerdings größtenteils schicksalsergeben und ohne viele Worte hinnehmen, ohne dabei die Hoffnung auf bessere Zeiten zu verlieren. Kaurismäki erzählt die Geschichten dieser Antihelden stets auf seine unvergleichlich lakonische Weise: Gesprochen wird nur das Nötigste, die Dialoge sind dabei eher literarisch als realistisch. Die einzelnen Einstellungen sind lang und die Kamera bewegt sich nur wenig, so dass manchmal Entscheidendes außerhalb des Bildes geschieht und nur durch Geräusche, Gesten und Blicke angedeutet wird. Dabei schwebt oft eine leise Komik über dem Pech der vom Unglück Verfolgten, die sie jedoch nie der Lächerlichkeit preisgibt.

Kaurismäki arbeitet seit vielen Jahren mit einer etablierten Gruppe zusammen. Zu seinen Stammschauspielern zählen Kati Outinen, Kari Vänäänen, Markku Peltola und natürlich Matti Pellonpää, der 1995 verstarb, an den aber auch in späteren Filmen oft erinnert wird. So hängt zum Beispiel in Der Mann ohne Vergangenheit ein Photo Pellonpääs über einem Kneipentresen. Kameramann all seiner Filme ist Timo Salminen, der die passenden minimalistischen Bilder zu Kaurismäkis kargem Erzählstil aufnimmt. Die farbintensiven Schauplätze zeichnen sich stets durch eine altmodische Einrichtung aus und versprühen dadurch einen ganz besonderen Retro-Charme.

Bei seinen Filmen kümmert sich Kaurismäki um Vieles selbst: er schreibt das Drehbuch, übernimmt neben Regie und Schnitt auch oft die Produktion. Ganz besonderen Wert legt er auf die Musikauswahl, die von Rock- und Blues-Oldies sowie finnischen Schlagern dominiert wird. Fast in allen Filmen gibt es Bandauftritte, in I hired a Contract Killer etwa ist sogar Joe Strummer als Sänger in einer Kneipe zu bewundern. Ein weiteres Markenzeichen in allen Filmen ist das mehr oder weniger prominente Vorkommen eines treuen Hundes, da Kaurismäki selbst nach eigenen Angaben Hunde aufgrund ihrer Treue und Ehrlichkeit Menschen vorzieht.

Aus Kaurismäkis Werk zeigen wir euch die so genannte "Trilogie der Verlierer", in der „kleine Leute“ mit verschiedenen Schicksalsschlägen zurechtkommen müssen. In Wolken ziehen vorüber muss sich ein Ehepaar nach dem Verlust der Arbeit neu orientierten, im zweiten Teil der Trilogie, Der Mann ohne Vergangenheit, verliert ein Mann nach einem Überfall sein Gedächtnis und baut sich ein neues Leben auf. In Lichter der Vorstadt, dem abschließenden dritten Teil, bricht die gesamte Existenz eines einsamen Wachmanns zusammen. Trotz allen Unglücks wartet am Schluss aller Filme ein kleiner Hoffnungsschimmer auf die Pechvögel, so dass man das Kino trotz allem mit einem guten Gefühl verlässt, gemäß Kaurismäkis eigener Devise: "Es war immer eine geheime Ambition von mir, Filme zu machen, aus denen der Zuschauer ein bisschen glücklicher rausgeht, als er ins Kino rein gegangen ist."

Text: Eva Notz

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