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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Iran - politisch, historisch, mythisch

Filme dieser Reihe:
 Freitag  27.04.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Nader und Simin - Eine Trennung
 Donnerstag  03.05.2012  20:00 Uhr  Dt. OV  The Green Wave
 Freitag  11.05.2012  19:00 Uhr    Persepolis + Huhn mit Pflaumen
 Freitag  18.05.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Zeit des Zorns
 Donnerstag  24.05.2012  20:00 Uhr  Pers. OmU  Offside
Nicht selten gibt es in den Nachrichten Neuigkeiten aus dem Iran, allerdings sind die wenigsten davon gute Nachrichten. Meist haben sie mit dem islamischen Regime, Provokationen nach außen und Menschenrechtsverletzungen im Innern zu tun. Auch im Kino ist der Iran derzeit von großem Interesse und spielt eine zentrale Rolle in einigen faszinierenden Filmen, von denen manche im Iran und andere im französischen/deutschen "Exil" produziert wurden. Die Politik spielt darin eine wichtige, aber nicht die alles überstrahlende Rolle, denn vor allem werden die Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Leben in einem religiös dominierten Staat und ihre sonstigen ganz alltäglichen Problemen in den Mittelpunkt gerückt. Mit Realismus (Nader und Simin, Zeit des Zorns) wie auch mit tricktechnisch unterstützter Fantasie (Persepolis, Huhn mit Pflaumen) oder als Mischung von beidem (The Green Wave) erzählen die Filme dieser Reihe von einem Land, das neben autoritärer Unterdrückung und religiösem Fanatismus auch einen großen Reichtum an kritischer politischer Reflexion und Erzählkunst hervorgebracht hat.
Was dabei allerdings auffällt ist, dass gerade der politisch-kritische Aspekt eher bei Filmemachern deutlich hervortritt, die bereits zum Zeitpunkt der Filmproduktion der Heimat den Rücken gekehrt hatten, wie Marjane Satrapi und Ali Samadi Ahadi oder, die den Schritt ins Exil später nachholten wie Rafi Pitts. Die Situationen von Asghar Farhadi und Jafar Panahi spiegeln die beiden Pole des Lebens als Filmemacher in Ahmadinedschads Iran. Während Farhadi den modernen Iran indirekt in persönlichen Dramen porträtiert und auch den konservativen Sittenwächter ihre Happen zuwirft, traf die politisch motivierte Künstlerverfolgung des Unterdrückerregimes Panahi (Offside) mit voller Wucht. 2010 wurde der weitaus unbequemere Filmemacher zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt. Das Urteil gegen Panahi stellt einen Extremfall des religiös und politisch motivierten Terrors gegen Andersdenkende dar.
Doch, gleich ob „von außen“ oder „von innen" gedreht, vermögen die Filme über den Iran stets nicht nur zu schockieren, sondern auch zu faszinieren. Sie zeigen ein Land, das zwischen Aufbruch in die Moderne und Rückkehr ins finstere Mittelalter hin- und hergerissen ist und Menschen, die verzweifelt versuchen, die daraus entstehenden Widersprüche für sich zu lösen. Ein Land in dem eben nicht nur die maßlose Unterdrückung wütet, sondern in dem auch der Geist des sozialen Fortschritts darum kämpft, aus der Flasche gelassen zu werden. Dieses „work in progress“ lässt sich in allen Filmen dieser Reihe aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Wobei es sich aus guten Gründen manchmal nicht vermeiden lässt, dass sich die Betrachtungen dieser Blickwinkel beizeiten überschneiden.

Der aka bedankt sich ganz herzlich beim Colloquium politicum für die Unterstützung!
Weitere Infos dazu unter www.studiumgenerale.uni-freiburg.de/col-politicum
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Text: Martin Koch

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