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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Right Person, Wrong Planet

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  26.06.2012  20:00 Uhr  DF  Im Weltraum gibt es keine Gefühle
 Dienstag  03.07.2012  20:00 Uhr  En. OmU  Snow Cake
 Dienstag  10.07.2012  20:00 Uhr  Dt. OV  Wrong Planet
 Dienstag  17.07.2012  20:00 Uhr  En. OmU  Mary & Max oder Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Autismus im Film

Die Welt des Autismus ist schwer zu fassen und den meisten Menschen fremd. Es heißt oft, Autisten leben in ihrer eigenen Welt, weil sie sich anders ausdrücken oder dabei Unterstützung brauchen, im sozialen Leben große Probleme haben, kaum Gefühle zeigen können und befremdliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Dabei wird aber oft vergessen, dass diese Störung neurologische Gründe hat. Wenn das Gehirn anders funktioniert, sind eine andere Wahrnehmung und anderes Verhalten zu erwarten. Sicher sind autistische Menschen von unserem Standpunkt aus in mancher Hinsicht eingeschränkt, doch macht sie das gleich zu Behinderten? Der Begriff „Behinderung“ fällt immer wieder. Doch er scheint nur von den notwendigen Hilfestellungen her angemessen zu sein: ohne diese Klassifizierung hätten autistische Menschen nämlich keinen Anspruch auf Hilfe, z.B. in Form von Therapien. Dennoch sind sie nicht wie andere geistig oder körperlich behinderte Menschen. Autismus als eine „Krankheit“ zu bezeichnen scheint erst recht fehl am Platz. Es sollte vielmehr als eine andere Form des Daseins betrachtet werden. Denn nur weil jemand autistisch ist, macht ihn das nicht zu einem „falschen“ Menschen, auch wenn ihm und anderen unser Planet nicht immer als der „passende“ erscheint.

Der wohl bekannteste Film mit einer autistischen Hauptfigur ist der 1988 produzierte Rain Man, in dem Dustin Hoffman einen in seinen sozialen Fähigkeiten zutiefst eingeschränkten aber hochbegabten Autisten glaubhaft darstellt. Hierfür wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet. Doch sind nicht alle autistischen Menschen wie Hoffmans Raymond Babbitt. Die Unterschiede sind oftmals groß und daher kann man es nur positiv bewerten, dass in den letzten Jahren einige Filme zu dem Thema erschienen sind, die ein breites Spektrum abdecken. Interessante Dokumentationen sind die amerikanische Produktion On the Spectrum, in der Menschen über den Umgang mit ihrem Asperger-Syndrom (einer leichteren Form des Autismus) sprechen, und der stilistisch spannende Film Eine ruhige Jacke über einen höchst eigenwilligen jungen Schweizer, der zwar außer ein paar Lauten nicht sprechen kann, aber mit einer Kommunikationshilfe doch eine sehr menschliche, kluge und einfühlsame Natur erkennen lässt und der hier in Teilen auch selber filmen darf. Zum Aspekt Ausgrenzung und Autismus bei Jugendlichen empfiehlt sich der oft in Schulen gezeigte Film Ben X von 2007, der zudem mit zwei Realitätsebenen (virtuelle Spielwelt und Alltag) experimentiert. Die Schwierigkeit, eine Partnerschaft einzugehen, behandelt Adam (2009), der zeigt wie sich ein Mensch mit Asperger-Syndrom in seine nicht-autistische Nachbarin verliebt, auf humorvolle Weise.

Diese Filmreihe befasst sich nun mit der Welt aus der Perspektive von Menschen mit Autismus. Das Andersartige kennen zu lernen und den Horizont zu erweitern ist hier das Ziel. Der „wrong planet“-Aspekt kommt sogleich in der schwedischen Komödie Im Weltraum gibt es keine Gefühle zum Tragen. Denn hier begegnet uns die Eigenwilligkeit des Protagonisten aus Eine ruhige Jacke wieder: Simon hat seinen eigenen Kopf und stellt sein Asperger-Syndrom ganz in den Mittelpunkt, was sein Umfeld oft genug irritiert. In Snow Cake geht es etwas ruhiger zu: eine autistische Mutter freundet sich mit dem Mann an, der ihre Tochter als Letzter gesehen hat. Die deutsche Dokumentation Wrong Planet begleitet drei Menschen mit Asperger-Syndrom in ihrem etwas anderen Alltag. Schließlich wird es mit dem Knetanimationsfilm Mary & Max noch einmal besonders ausgefallen, wenn die kleine Australierin Mary und der erwachsene Amerikaner Max (auch Asperger) eine Brieffreundschaft beginnen. Möglicherweise wird der ein oder andere Trip etwas „abgespacet“ und sicher werden nicht alle Fragen beantwortet. Dafür wird eine andere Frage immer deutlicher: wer oder was ist denn jetzt überhaupt „richtig“ und „normal“?

Zum ersten Film in der Reihe wird es eine Einführung in das Thema geben. Bei Wrong Planet ist es möglich, dass die Regisseurin anreisen wird. Es lohnt sich also, nach aktuellen Informationen auf unseren Plakaten und www.aka-filmclub.de Ausschau zu halten.

Text: Natalie Kurz

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