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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Dalí, Buñuel und der Surrealismus im Film

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  06.07.2004  20:00 Uhr  DF  Ein andalusischer Hund / Das goldene Zeitalter
 Dienstag  13.07.2004  19:45 Uhr  DF  Das Gespenst der Freiheit
 Dienstag  20.07.2004  19:45 Uhr  DF  Der diskrete Charme der Bourgeoisie
„Ein gefesselter Mensch braucht nur die Augen zu schließen, und er hat die Macht die Welt auseinanderzusprengen.“ – Im Mai diesen Jahres wäre Salvador Dalí 100 Jahre alt geworden.

Erklärung der Surrealisten vom 27.Januar 1925:

In Anbetracht einer Fehldeutung unseres in der Öffentlichkeit auf blödsinnige Weise verbreiteten Versuchs liegt uns daran, der gesamten vor sich hin stammelnden Literatur-, Theater-, Philosophie-, Exegese- und sogar Theologiekritik von heute folgendes zu erklären:
l. Wir haben mit der Literatur nichts zu schaffen. Aber notfalls sind wir sehr wohl imstande, uns ihrer zu bedienen, wie alle Welt.
2. Der SURREALISMUS ist kein neues oder einfacheres Ausdrucksmittel oder gar eine Metaphysik der Poesie; er ist ein Mittel zur totalen Befreiung des Geistes und all dessen, was iihm ähnelt.
3. Wir sind fest entschlossen, eine Revolution zu machen.
4. Wir haben das Wort SURREALISMUS einzig und allein deshalb mit dem Wort REVOLUTION verknüpft, um das Uneigennützige, Indifferente und sogar gänzlich Verzweifelte dieser Revolution deutlich zu machen.
5. Wir haben nicht vor, an der Lebensweise der Menschen irgend etwas zu ändern, aber wir beabsichtigen sehr wohl, ihnen die Brüchigkeit ihrer Ansichten vor Augen zu führen, und auf welch schwankenden Grund, auf was für Hohlräume sie ihre wackligen Häuser gebaut haben.
6. Wir schleudern der Gesellschaft diese feierliche Warnung entgegen: Sie gebe auf ihre Entgleisungen acht, bei keinem Fehltritt ihres Geistes wird sie uns durch die Lappen gehen.
7. An jeder Ecke ihres Denkens wird die Gesellschaft uns wiederfinden.
8. Wir sind Spezialisten der Revolte. Es gibt kein Aktionsmittel, das wir nicht notfalls zu benutzen wüssten.
9.Ganz besonders der westlichen Welt sagen wir: der SURREALISMUS existiert
- Was für ein neuer Ismus tötet uns denn nun wieder den Nerv?
- Der SURREALISMUS ist keine dichterische Form.
Er ist ein Schrei des Geistes, der zu sich selber zurückkehrt und fest entschlossen ist, die Hindernisse, die sich ihm entgegenstellen, verzweifelt zu zermalmen, und das notfalls mit materiellen Hämmern.
Vom Büro für surrealistische Forschungen
15, Rue de Grenelle,Paris


Um gewahr zu werden, dass ihre Lektionen der modernen Kunst zustatten kommen könnten, bedurfte es des Auftretens der Surrealisten, d.h. einer Gruppe schöpferischer Menschen, die in der Vergangenheit Verbündete suchten, um ihrer Aktion zugunsten der absoluten Rechte des Traums Nachdruck zu verleihen.
Im Februar 1922 begegneten sich der spätere Filmemacher und der Maler zum ersten Mal. Dalí legte gerade die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Bildende Künste von San Fernando in Madrid ab. Ana Maria erinnerte sich später in ihrem Buch über den Bruder, dass die Studenten sie im Speisesaal der Residenz, wo alle zu Mittag aßen, mit Sympathie und Interesse empfingen. „Einer von ihnen“, schreibt sie, „der nicht einen Moment davon abließ, uns mit intelligenten und durchdringendem Blick, vergleichbar nur mit dem meines Bruders zu beobachten, sollte sehr bald schon unser bester und geschätztester Freund werden.“ Das war Luis Buñuel, der 1917 in der Studentenresidenz eingezogen war. Buñuel und sein Kreis nahmen des jungen Dalí an und das mit großem Einfluss. Er und seine Freunde stammten aus Aragon, einer mit Dalís heimatlichem Katalonien geschichtlich eng verbundenen Region. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Schon dort beginnt Buñuel, sich für den Film zu interessieren, er organisierte Kinovorstellungen. Der dritte im Bunde war Frederico Garcia Lorca. Vidal, der sich eingehend mit dem Thema befasst hat, geht soweit, anzudeuten, dass sie eine Art menage a trois bildeten. Buñuel bildete in dem Freundestrio den Gegenpart zu dem empfindsamen Lorca; er war sportlich, energisch, atheistisch, der modernen Technik und den Naturwissenschaften zugewandt. Es gab noch einen wichtigen vierten Freund: Den Maler Rafael Barradas. Er war wie Buñuel ein regelmäßiger Teilnehmer am literarischen Stammtisch im Cafe de Pombo, dem auch Dalí angehörte. Wie bedeutend diese Freundschaften für Dalí waren, kann man an den Spuren ablesen, die sie im Schaffen des jungen Malers hinterließen. Es gibt Kunstkritiker, die von einer „Periode-Buñuel-Barradas“ sprechen, die von 1922 bis Ende 1924 andauerte.
1926 ging Buñuel nach Paris, was der Freundschaft offensichtlich keinen Abbruch tat. 1928 drehten sie – die Idee hatte Dalí, die Kosten übernahm Buñuels Mutter – gemeinsam Der andalusische Hund, der durch seine Radikalität und künstlerische Brillanz Filmgeschichte schreiben sollte. Sie ließen sich von der „Filmomanie“ mitreißen, die schon viel früher die ganze Gruppe ergriffen hatte. Filme wie Nosferatu oder Der Student von Prag wurden Vorbilder eines „faszinierenden“ Stils, den die Malerei, wie man meinte, nicht erreichen konnte. Man Ray (auch den Surrealisten angehörend), der 1923 Die Rückkehr der Vernunft gedreht hatte, erklärte damals: „Der Film ist eine überlegene Kunstform, die alle anderen zusammen aufwiegt.“ 1930 folgte dann wieder eine Zusammenarbeit in Das goldene Zeitalter. Danach trennten sich die Wege der beiden Künstler. Buñuel musste emigrieren, lebte in den USA und Mexiko und drehte in den folgenden 20 Jahren nur wenige Filme. Richtig entdeckt wurde er erst in den 60iger und 70iger Jahren. Da war er bereits über 60. Der diskrete Charme der Bourgeoisie und Das Gespenst der Freiheit fallen in seine letzte Schaffensphase.

Text: Kristian Fricke

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