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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Filme im Hirn – Hirne im Film

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  27.11.2012  20:00 Uhr  DF  Schmetterling und Taucherglocke
 Dienstag  04.12.2012  20:00 Uhr  En. OmU  Vergiss mein nicht!
 Dienstag  11.12.2012  20:00 Uhr  En. OV  Playing Against Time: A Film about Parkinson's Disease and Music
 Dienstag  18.12.2012  20:00 Uhr  DF  Der Manchurian Kandidat

Neurotechnologie zwischen Therapie und Utopie

Die Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, ebenso die Forschung in der Materialtechnik, Miniaturisierung und Robotik. Damit rücken völlig neue Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen und Schädigungen des Nervensystems in greifbare Nähe.
Menschen mit schweren Lähmungen könnten schon in naher Zukunft ein selbständigeres Leben führen, indem beispielsweise Gehirn-Maschine-Schnittstellen künstliche Armprothesen steuern. Bei Patienten mit Epilepsie könnten Implantate vor einem drohenden Anfall beruhigend in die Hirnaktivität eingreifen. So müssten nicht dauerhaft Medikamente mit zum Teil starken Nebenwirkungen eingenommen werden.

Doch Eingriffe am Gehirn überschreiten für viele Menschen eine Grenze. Eine Einflussnahme auf unser Denkorgan wird völlig anders wahrgenommen als auf das Herz oder einen anderen Teil unseres Körpers. Die Hoffnungen – vor allem bei Betroffenen und Angehörigen – sind groß, doch ebenso die Ängste vor Komplikationen, unabwägbaren Nebenwirkungen und dem Missbrauch einer solchen Technik. Das sehen wir nicht zuletzt darin, wie sich Filmemacher mit diesem Thema auseinandersetzen.
Die Neurotechnologie wird in Freiburg in Zukunft eine noch größere Rolle spielen, denn mit dem frisch gestarteten Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools entsteht an der Universität ein Forschungsschwerpunkt, in dem sich alle erforderlichen Teildisziplinen zusammentun – eine in Europa einmalige Bündelung von Wissen und Ressourcen. Begleitend zum Start von BrainLinks-BrainTools sollen in dieser Filmreihe die Neurotechnologie sowie die Erkrankungen, bei denen sie eingesetzt werden könnte, aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.

Die größte Revolution dürften funktionierende Gehirn-Maschine-Schnittstellen für Menschen mit dem sogenannten „Locked-in“-Syndrom bedeuten: Eine nahezu vollständige Lähmung bei völlig intaktem Gehirn schließt sie praktisch in ihrem Körper ein. Dieser Zustand ist für Gesunde fast nicht vorstellbar, wird aber in dem Spielfilm Schmetterling und Taucherglocke auf eindringliche Weise vermittelt – basierend auf der Biographie des ehemaligen Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall nur mittels Augenbewegungen kommunizieren konnte. Der Film zeigt, wie der menschliche Geist mit derartigen Einschränkungen umgehen kann. Auf poetische Weise setzt sich dagegen Vergiss mein nicht! mit der Frage auseinander, was geschehen würde, wenn spezialisierte Dienstleister unliebsame Erinnerungen gezielt aus dem Gedächtnis löschen könnten. Der englische Dokumentarfilmer Mike Dibb hat über fünf Jahre die an Parkinson erkrankte Jazz-Saxophonistin Barbara Thompson begleitet. Dabei ist mit Playing Against Time das einfühlsame Portrait eines Lebens entstanden, das zwar zu großen Teilen durch die unaufhaltsam fortschreitende Erkrankung bestimmt wird, in dem aber trotzdem noch Platz für die Kunst der preisgekrönten Musikerin geblieben ist. Die Angst vor dem Missbrauch neurotechnologischer Errungenschaften thematisiert Der Manchurian Kandidat, ein Politthriller aus dem Jahr 2004. Auch wenn der heutige Stand der Forschung noch weit von den Entwicklungen entfernt ist, die diesem Film seinen Impetus verleihen, spielt Regisseur Jonathan Demme in seiner Neuverfilmung des Romans von Richard Condon geschickt mit den Ängsten, die in der Auseinandersetzung mit diesem Thema mitschwingen.

Zu den Filmen wird es jeweils eine Einführung bzw. anschließende Diskussion geben. Nach der Auftaktveranstaltung „Technik im Gehirn: Was wollen wir können?“ im Theater Freiburg am 8. November 2012 sind diese Filmabende die nächsten in einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Mitglieder des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools in einen Dialog mit der Öffentlichkeit treten wollen.

Weitere Infos unter www.brainlinks-braintools.uni-freiburg.de

Text: Gunnar Grah, Tobias Eichinger, Hinnerk Feldwisch-Drentrup

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