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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

(No F*cking) Femme Fatale

Filme dieser Reihe:
 Freitag  16.05.2014  20:00 Uhr  Fr. OmU  Blau ist eine warme Farbe
 Freitag  23.05.2014  20:00 Uhr  Fr. OmU  Venus im Pelz
 Freitag  30.05.2014  20:00 Uhr  Fr. OmU  Jung & schön
 Donnerstag  05.06.2014  20:00 Uhr  It. OmU  Ich & Du
Jeune et JolieSchluss mit dem schwülstigen Altherren-Kino“ titelte Ende letztens Jahres ZEIT ONLINE und fasst damit das aktuelle Frauenbild im Film treffend zusammen: Truffauts Grundsatz, dass es reiche, wenn eine schöne Frau schöne Dinge tue, scheint nicht länger zutreffend. Weniger sexy wird das Arthouse-Kino dadurch aber keinesfalls, im Gegenteil: Im Zeitgeist von Gender-Debatten, neuem Feminismus, Prostitutionspolitik und Übersexualisierung entwickeln sich kontroverse Frauenbilder zwischen Selbstbestimmung und Projektion - von namenhaften Regisseuren inszeniert und von charismatischen Darstellerinnen verkörpert.

So sorgte der französische Filmemacher Abdellafif Kechiche mit seiner freien Adaption des Comics Blau ist eine warme Farbe über die Liebesbeziehung zweier junger Frauen für Kontroversen. Lesbischer Leinwandsex - kann, muss, soll das pornographisch oder authentisch anmuten? Bei den Filmfestspielen von Cannes 2013 verlieh die Jury um Steven Spielberg dem dreistündigen Liebesmelodram die Goldene Palme und ehrte damit zum ersten Mal eine Comic-Adaption sowie Regisseur und Hauptdarstellerinnen (Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos) gleichermaßen.

Das enfant terrible Roman Polanski setzt in Venus im Pelz seine Ehefrau Emanuelle Seigner provokant in Szene: In seiner zweiten Bühnenadaption nach Der Gott des Gemetzels lässt er das hitzigerregende Gemüt der Schauspielerin mit dem des - eigenen? - Regisseur-Egos aufeinander prallen. Die ambivalente Erotik des Kammerspiels knistert, amüsiert und stimmt nachdenklich.

Auch Jung & Schön vom französischen Regisseur Francois Ozon zeugt von einem doppelbödigen Voyeurismus: So ist das Model Marine Vacath in ihrer ersten Hauptrolle als minderjährige Edelprostituierte mehr als eine reizvolle Hülle und das „Remake“ von Catherine Deneuve als Belle de jour. Die Motivation der Tochter aus gutem Hause bleibt verborgen, in den langen, melancholischen Blicken der scheuen Schönheit, die auch mit ihrem Nebenjob heranwächst wie jede andere, junge Frau - das scheint zumindest die einzig mögliche Moral der Geschichte zu sein.

Um das Erwachen aus Fantasien und Traumwelten geht es auch Altmeister Bernardo Bertolucci in Ich & Du: Zehn Jahre nach Die Träumer kehrt er mit einem neuen, zärtlicheren Blick für seine jungen Helden zurück und entspinnt eine ungewöhnliche Geschwistergeschichte um den 14-jährigen Lorenzo und seine ältere Halbschwester Olivia: Wie eine gefährlich schimmernde Fata Morgana taucht die Lebenskünstlerin in Lorenzos Versteck und weckt in ihm Instinkte des Begehrens und Beschützens zugleich.

Letztendlich bleibt zu sagen, dass die Reichweite, in der sich aktuelles Kino mit gesellschaftlichen Tabus auseinandersetzt und sie in sinnliche Bildsprache übersetzt, vor allem Lust macht - auf mehr. In den Worten der bedeutendsten Filmrezensentin des Magazins The New Yorker, Manohla Dargis: „The truth is we need more women on screen, naked and not, hungry and not, to get this conversation really started.“

Text: Anna Hantelmann

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