aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Der Schrecken wird 100

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  30.04.2014  20:00 Uhr  Dt. OV  Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte
 Mittwoch  07.05.2014  20:00 Uhr  Dt. OV  Poll
 Mittwoch  21.05.2014  20:00 Uhr  Dt. OV  Majestät brauchen Sonne
 Dienstag  03.06.2014  19:30 Uhr  Dt. OV  Westfront 1918

Deutschsprachige Filme zum Ersten Weltkrieg und der Zeit davor

Es ist bereits Tradition im aka-Programm, regelmäßig einen Blick auf das aktuelle deutschsprachige Kino zu werfen. Im Rahmen der Filmreihe "Neue deutsche Film" untersuchen wir seit 2002 kontinuierlich, was der Kinostandort Deutschland aktuell und oftmals im Verborgenen an künstlerisch interessanten, politisch kontroversen oder berührend poetischen Filmen hervorgebracht hat.

Anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges 1914 haben wir für dieses Sommersemester eine Filmreihe zusammengestellt, die sich mit dem ersten globalisierten Krieg der Moderne beschäftigt: Am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Mitgliedern einer revolutionären Untergrundorganisation ermordet. Von offizieller Seite wurde damals vermutet, dass diese mit Serbien in Verbindung stand, Hauptmotiv war die Befreiung Bosnien-Herzegowinas von der österreichisch-ungarischen Herrschaft. Nach Ablauf eines Ultimatums an Serbien und mit Rückendeckung des Deutschen Reichs unter Kaiser Wilhelm II. erklärte daraufhin Österreich dem Königreich Serbien vier Wochenspäter den Krieg. Serbien wiederum konnte auf die Unterstützung Russlands zählen, und dieses wiederum auf einen Pakt mit Frankreich.

Die Verstrickungen der damaligen Diplomatie und des Kriegsverlaufs lassen sich kaum in wenigen Zeilen und ohne monatelange Lektüre dicker Geschichtsbücher entwirren, fest jedoch steht, dass der Schrecken des Krieges mit diesem ersten "Maschinenkrieg" eine bis dato nicht gekannte Stufe erreichte. Jetzt einsatzfähig gewordene Erfindungen wie das U-Boot, moderne Bomben oder das Maschinengewehr ließen neben dem skrupellosen Einsatz von Giftgas die ohnehin durch die Massenmobilmachung enorm hohen Opferzahlen noch weiter in die Höhe schnellen. Der vierjährige Wahnsinn, an dem sich nach und nach 40 Staaten, darunter fast alle westlichen Mächte, aber auch zahlreiche Länder aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien beteiligten, kostete schließlich rund 17 Millionen Menschen das Leben. Seine Auswirkungen, die umstrittenen Versailler Verträge (es gibt eine
populäre, alte Karikatur, in der ein kleiner schnauzbärtiger Österreicher aus dem zu einer Papierrolle geformten Vertrag herauskrabbelt) und die extremen Gewalterfahrungen und ungelösten Konflikte trugen mit dazu bei, dass extreme Ideologien Fuß fassen konnten und gut zwanzig Jahre später durch das nationalsozialistische Deutsche Reich ein noch fürchterlicherer Krieg begonnen wurde. Auch aus diesem Grund gilt der Erste Weltkrieg als "Urkatastrophe", die jenes frühe 20. Jahrhundert einleitete, das sich konkurrenzlos als die bisher barbarischste Epoche der Menschheitsgeschichte bezeichnen darf.

Die Filmreihe versucht nicht, das historische Geschehen nachzuverfolgen, vielmehr wollen wir bebildern, wie deutsche und deutsch-österreichische Produktionen sich mit dem Ersten Weltkrieg früher wie heute auseinandersetzen und die Geschehnisse, vor allem aber die Zeit vor Kriegesausbruch verarbeiten.

Das weiße Band (2009) portraitiert die Kindergeneration der 1910er-Jahre, die zwei Jahrzehnte später selbst als Soldaten in den Krieg zog, und sucht Ursachen dafür in den Sozial- und Familienstrukturen der damaligen Zeit. Poll (2010) erzählt märchenhaft inszeniert die Geschichte eines jungen Mädchens kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges auf einem Gutshof, wo deutsche Aristokratie, russisches Militär und estnische Freiheitskämpfer aufeinandertreffen. Majestät brauchen Sonne (1999) ist eine wunderbar verspielte, ironische und zugleich erschütternde Doku des Regie-Altmeisters Peter Schamoni über den letzten deutschen Kaiser, seine Reiselust und seine größenwahnsinnigen Träume von einer eigenen Hochsee-Flotte - ohne deren Bau der Krieg nicht möglich gewesen wäre. Westfront 1918 (1930) hingegen ist ein frühes Beispiel eines deutschen Antikriegsfilms, gedreht von einem Meister seines Fachs, dem österreichischen Regisseur Georg Wilhelm Pabst, der mit seinem ersten Tonfilm ein politisch engagiertes und zugleich enorm packendes Werk geschaffen hat.

Diese Reihe konnte mit freundlicher Unterstützung durch das Colloquium politicum des Studium Generale der Universität sowie das Goethe-Institut Freiburg realisiert werden. Ergänzend zu dieser Filmreihe zeigen wir dieses Semester in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich "Helden-Heroisiserung-Heroismen" der Universität Freiburg den Klassiker von Stanley Kubrick Wege zum Ruhm.

Text: Alexander Sancho-Rauschel, Johannes Litschel

News
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon