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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Wahn hat Sinn

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  25.11.2014  20:00 Uhr  Norw. OmU  Oslo, 31. August
 Dienstag  02.12.2014  20:00 Uhr  En. OmU  Natural Born Killers
 Mittwoch  10.12.2014  20:00 Uhr  En. OmU  Tricks – Matchstick Men
 Dienstag  16.12.2014  20:00 Uhr  En. OmU  Der Tintenfisch und der Wal
[Vom 25.11. bis 16.12.2014] Die Psychopathologie des Films zu erkunden soll das Ziel dieser Reihe sein. Es gibt tausende von Filmen die in irgendeiner Form psychische Störungen darstellen oder es zumindest versuchen. Leider treffen nur wenige den vielschichtigen Kern einer Erkrankung. Allzu oft ist das Hauptelement solcher Filme, eine Verstärkung von den vorherrschenden Stereotypen. Insbesondere in der Assoziation von Erkrankten mit Verrücktsein. Es scheint, dass in jedem solchen Film zwangsweise ein pathetischer oder melodramatischer Handlungsstrang vorhanden sein muss. Das dies nicht der Fall ist und nicht jede psychische Störung in einem Horrorfilm verarbeitet werden muss sollte nach dieser Filmreihe hoffentlich klar werden.

So begleitet der Zuschauer in Oslo, 31. August einen ehemaligen Drogen- und Alkoholabhängigen der mit Suizidgedanken kämpft. Auf berührende und einfühlsame Art und Weise schafft es Regisseur Joachim Trier zu zeigen, dass nicht alle mit dem Lebensziel: Haus, Familie, Auto aufgewachsen sind.

In Natural Born Killers steht prinzipiell nicht der übertriebene Wahnsinn der beiden Hauptdarsteller im Vordergrund, sondern die sensationslüsternen Massenmedien. Durch die krasse Überzeichnung des Verbrecher-Pärchens Mickey und Mallory versucht Oliver Stone auf den Subtext des Filmes aufmerksam zu machen: Die Obsession Amerikas mit Massenmördern. Das Wahnsinnige der Protagonisten ist dabei eine intelligente Metapher. Nichtsdestotrotz ist die Darstellung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung und deren Ursache gut gelungen.

Dass psychische Störungen nicht immer einer schweren Handlung unterliegen müssen zeigt Tricks – Matchstick Men von Ridley Scott. In dieser Gaunerkomödie spielt Nicolas Cage mit erstaunlicher Präzision einen Patienten der an Zwangsstörungen leidet.

In Der Tintenfisch und der Wal ist die Familiendynamik nicht mehr in Takt. Die Eltern lassen sich scheiden, die Kinder leiden drunter. Dabei spielen unter anderem die narzisstische Persönlichkeit des Vaters, die narzisstischen Tendenzen des älteren Sohnes, das langsame Entwickeln einer Depression des jüngeren Sohnes und die Mängel an Bindung zwischen Eltern und Kindern eine wichtige Rolle.

Insofern lag der Fokus bei der Auswahl der Filme auf der akkuraten Darstellung des jeweiligen Krankheitsbildes und nicht unbedingt auf die Rahmenhandlung und den Kontext des Filmes. Mit den Filmen sollen psychische Störungen zum Teil entstigmatisiert werden, vor allem aber auch begründet werden. Eine Erkrankung tritt nicht ohne Ursache auf und eine große Anzahl an Faktoren ist an der Manifestierung beteiligt. Der angebliche Wahn hat also in einer Form auch Sinn.

Text: Tiana Lasica

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