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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Unter Bäumen - Der Wald im Film

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  26.11.2014  20:00 Uhr  Türk. OmU  Bal – Honig
 Mittwoch  03.12.2014  20:00 Uhr  DF  Antichrist
 Dienstag  09.12.2014  20:00 Uhr  Dt. OV  Das finstere Tal
 Mittwoch  17.12.2014  20:00 Uhr  Dt. OV  Die Könige der Nutzholzgewinnung
[Vom 26.11. bis 17.12.2014] Der liebe Wald. Seit Jahrhunderten schon dient er nicht nur als Lebensraum und Nutzfläche, sondern den Dichtern und Denkern, Malern, Sängern und Komponisten auch als Inspirationsquelle für ihr Schaffen. Wie kaum ein anderer Naturraum, ist das Image des Waldes in der Kunst doppelt besetzt, wie zwei Seiten der gleichen Medaille. Einerseits als freund- und friedliches Refugium, als lieblicher Ort der Freude und der Lust (hihi), andererseits als dunkler, mystischer, bisweilen tödlicher Ort, in den man sich besser nicht hineintraut, denn wer weiß schon, was einen dort erwartet. Schon die Römer zitterten vor dem "silva nigra" und wagten sich nur ganz allmählich vor ins dunkle Unterholz.

Auch in der Filmgeschichte blickt die Darstellung des Waldes auf eine breite Tradition zurück: In Murnaus Klassiker Nosferatu (1922) lebt der schreck-liche Graf Orlok nicht ohne Grund tief im Wald. Jahrzehnte später in der frühen Nachkriegszeit erlebte der deutschsprachige Heimatfilm mit Streifen wie Schwarzwaldmädel (Hans Deppe, 1950) oder Der Förster vom Silberwald (1954) seine Blüte und stillte damit auf zweifelhafter Art und Weise das Bedürfnis der Bevölkerung nach intakter Heimat. Unzählige Horrorfilme spiel(t)en im Wald und im Jahr 1999 begründete Blair Witch Project dann ein ganzes Sub-Genre, bei dem sich Menschen im Wald verlieren und nicht nur nicht mehr herausfinden, sondern obendrein auch noch bösen Mächten ausgeliefert sind - immer dem gleichen, uralten Schema folgend, man lese nach bei Grimms Märchen.

Wir wollen nun in dieser Reihe anhand moderner Filme verschiedene Facetten der Wald-Inszenierung vorstellen. Dabei ist es wichtig, dass der Wald nicht nur als Kulisse dient –‌denn das gibt es zu Hauf – sondern dass die Geschichte eng mit ihm verwoben ist und dem Wald dadurch eine bedeutende Funktion in der Erzählung zukommt. Los geht's mit Bal – Honig, dem Berlinalegewinner 2010. Einem kontemplativen Film aus der Türkei, wo die Wälder erhaben und geheimnisvoll sind und gleichermaßen Lebensgrundlage wie Mysterium darstellen. Antichrist (2009), ein saftiges Psychodrama mit Skandalfilmeimage, mit dem der Regisseur Lars von Trier der Legende nach seine Depressionen zu therapieren versuchte. Nichts für schwache Nerven, aber dafür in Inszenierung und Dramatik kaum zu übertreffen und gleichzeitig ein Paradebeispiel für die Darstellung des Waldes als Ort des Schreckens. Das finstere Tal (2013) ist ein wuchtiger Neo-Western aus Österreich, bei dem die Abgeschiedenheit eines Bergdorfes tief im Wald die ideale Voraussetzung für ein Aufeinandertreffen von Outlaws und Einheimischen bildet. Und damit das alles nicht zu abgehoben wird, zeigen wir euch abschließend die charmante Arbeitslosenkomödie Die Könige der Nutzholzgewinnung (2006) über Männerfreundschaften und Motorsägen, mit einem ironischen Blick auf die Waldarbeit im Ostharz.

Es fällt auf, dass die Filme dieser Auswahl überwiegend einen dramatischen, bisweilen tragischen Grundton haben. Vielleicht ein Indiz dafür, dass die dunkle Seite des Waldes eine größere Anziehungskraft auf Filmschaffende hat, als die freundliche? Finden wir es heraus - wir wünschen astreine Seherlebnisse!

Text: Johannes Litschel

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