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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Xavier Dolan

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  30.04.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  I killed my mother
 Donnerstag  07.05.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Herzensbrecher
 Freitag  15.05.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Laurence Anyways
 Donnerstag  21.05.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Sag nicht, wer du bist !
 Freitag  05.06.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Mommy
Ob es ein Sohn ist, der seine Mutter beschimpft, obwohl er sie eigentlich liebt, ein Mann, der seiner Freundin offenbart, dass er selbst eine Frau sein will, Freundschaft, die aufgrund von Liebe in Rivalität ausartet, oder eine sexuelle Identität, die nicht ans Licht kommen darf - in Xavier Dolans Filmen stoßen seine Charaktere an ihre emotionalen Grenzen.

Seit seinem Debütfilm I Killed My Mother im Jahr 2009 hat der Regisseur fast jährlich einen weiteren Film herausgebracht. Geschrieben und geschnitten hat er seine Filme selbst, mitgespielt bei allen, außer Mommy und Laurence Anyways. Und das mit gerade einmal 26 Jahren. Nicht selten wird er deshalb als "Regiewunder" bezeichnet, hier und da wird sogar bezweifelt, dass eine solch hohe Produktivität überhaupt machbar ist. Und doch zeichnen sich all seine Filme ganz deutlich durch Dolans persönlichen Stil aus und haben großen Wiedererkennungswert.

Inhaltlich ist Laurence Anyways der einzige Film, der einen außergewöhnlichen Plot hat: Ein Paar lebt bereits lange zusammen, als er seiner Freundin gesteht, dass er sich in seiner Haut unwohl fühlt und eine Frau werden will. Eine Aussage, die ihrer beider Leben komplett auf den Kopf stellt.

Dolans Filme werden nicht durch ihre Handlung zu Meisterwerken, sondern durch ihren Stil. Er vermag es, die Seelen seiner Charaktere nach außen zu stülpen und sie in Bilder zu übersetzen. Verschiedene stilistische Merkmale sind zu erkennen. Das wohl wichtigste sind die knalligen Farben die ins Auge stechen. Fréderique (Suzanne Clément) in Laurence Anyways hat leuchtend rote Haare, die oft in Verbindung mit einem kräftigen Blau gebracht werden – entweder durch Kleidung oder Hintergrundfarben. In Herzensbrecher spielt farbenfrohe Kleidung ebenfalls eine große Rolle, in I Killed My Mother wird eine Wand mit allen erdenklichen Farben besprenkelt. All die Farbenpracht bildet einen Kontrast zu den Seelenverfassungen der Charaktere – meist sind die alles andere als gut.

Das ist das Wundervolle an Dolan: Er zeigt das Positive und das Negative, aber beides wird in seinen Filmen zu etwas Schönem. Temperament, Wut, gebrochene Herzen – sie alle übersetzt er in greifbare Motive. Als Fréderique (Laurence Anyways) alleine und verzweifelt in ihrer Wohnung sitzt, fließt ein Wasserfall aus ihrer Wand und durchnässt sie. Francis‘ und Maries übertriebene Hingabe in Herzensbrecher taucht er in Zeitlupe, untermalt von Dalidas italienischer Version von "Bang Bang". Denn auch das Verrennen in Liebe, auch das Fehlermachen hat etwas Schönes, Bittersüßes.

Wie auch Herzensbrecher sind Dolans Mutter-Sohn Konflikte (I Killed My Mother, Mommy) gewöhnliche Geschichten, ungewöhnlich inszeniert. So hat man in I Killed My Mother nicht das Gefühl, von einer Wucht an Diskussionen, die man schon kennt, erschlagen zu werden. Vielmehr wird man eingeladen, hinter die Fassaden eines Jugendlichen zu blicken, der seine Mutter weder lieben noch hassen kann.

Die ausdrucksstärksten Szenen in Dolans Filmen sind die, in denen nicht gesprochen wird, in denen er Gefühle explodieren und Kleidung vom Himmel fallen lässt. Er hat das Gespür dafür, wann und wieviel Platz für sie ist. Wir lernen aus seinen Filmen nichts im herkömmlichen Sinne. Aber wir gehen verändert aus dem Kino, weil die Gefühle uns ergreifen und die Bilder uns begleiten.

Text: Lena Prisner

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