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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Und im Leben geht’s oft her wie in einem Film von Rohmer...

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  18.06.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Die Frau des Fliegers
 Donnerstag  25.06.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Die schöne Hochzeit
 Donnerstag  02.07.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Pauline am Strand
 Donnerstag  09.07.2015  20:00 Uhr  Fr. OmU  Das grüne Leuchten
Tennisverein, Verwandtenbesuche, Sommerferien, Kaffee und Kuchen, Spaziergänge, Gartenarbeit. Die Menschen in den Filmen von Eric Rohmer haben viel Freizeit. Der Volksmund würde sagen, sie führen ein sorgenfreies Leben, und sich damit vertun, denn Einsamkeit, Liebeskummer und Eifersucht treiben sie um. Das sind die Themen Rohmers, die er in den meisten seiner knapp 25 Filme auf so unauffällige wie besondere Weise behandelt: Nicht mit dramatischer Schwere, nicht mit melodramatischer Rührseligkeit und auch nicht romantisch komödiantisch; die Handlung ist nie zugespitzt, alles passiert beiläufig und bleibt flüchtig; die Montage plätschert über die Begegnungen der Figuren dahin, stets neutral, keine Deutung aufzwingend; niemals wird die Erzählung durch einen Gag gebrochen und das Leiden der Figuren der Lächerlichkeit preisgegeben.

Rohmers Filme lassen sich Zeit und geben Zeit, sich wieder zu erkennen in ihren Figuren - unmittelbarer, wenn man selbst aus der Mittelschicht kommt - aber bestimmt haben sie auch Wiedererkennungswert darüber hinaus. Dass die Filme in der Mittelschicht spielen ist jedoch essentiell, denn erst durch das Fehlen aller existenziellen Nöte öffnet sich ein unverstellter Blick auf die Figuren und ihre Beziehungen: Wie sie über sich selbst reden, ihre Sehnsüchte reflektieren und an der Kluft zwischen Theorie und Praxis scheitern; sich begehren, sich streiten, sich (miss)verstehen, sich lieben; beleidigt, gereizt, glücklich oder gelangweilt sind. Die Filme wirken zuweilen wie poetische Vorgänger des Reality TV: Ohne dessen hysterische Banalität geben sie die Möglichkeit, Menschen in alltäglichen Situationen zu beobachten. Dabei befördern sie nicht den Blick des Voyeurs, sondern den des Schülers: Niemals könnte man sich von innen so erkennen, wie von außen in einem Film von Rohmer. Eine Schule fürs Leben, in der niemand vorgibt, was das Lernziel ist.

Start und Ziel fehlen auch in den Inszenierungen Rohmers. Es beginnt beiläufig und so endet es auch; alles passiert zwischendrin. Die Filme sind zwar streng chronologisch erzählt, doch wirken sie eher zyklisch als linear: Es geht immer wieder ums Gleiche. Und so verhält es sich auch mit der Filmografie Rohmers: Variationen eines gleichbleibenden Themas. Passenderweise teilte er sein Hauptwerk selbst in drei Zyklen ein: Moralische Erzählungen (1962 – 1972), Komödien und Sprichwörter (1981 – 1987) und Erzählungen der vier Jahreszeiten (1989 – 1998). An Rohmers Leben sei hier dennoch kurz das Lineal angelegt: 1920 geboren, 1944 – 1952 Lehrer, 1951 erster Artikel in den Cahiers du Cinéma, 1957 – 1963 Chefredakteur der Cahiers, 1950 – 2007 Filmschaffen, 2010 gestorben im Alter von 89 Jahren. Er gehörte mit Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Claude Chabrol und Jacques Rivette zu den Gründern der französischen Nouvelle Vague. Wir zeigen vier Filme aus dem Zyklus Komödien und Sprichwörter.

Um Sprichwörter hat sich auch die Hamburger Band Tocotronic verdient gemacht. Die Titelzeile dieser Reihe stammt aus ihrem Lied Meine Freundin und ihr Freund vom ersten Album. Weiter heißt es dort: "... und um das alles zu begreifen, wird man was man furchtbar haßt, nämlich Cineast, zum Kenner dieser fürchterlichen Streifen." Es sei geraten.

Text: Max Becker

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