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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Hippie-Noir

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  21.10.2015  20:00 Uhr  En. OmU  Inherent Vice
 Mittwoch  28.10.2015  20:00 Uhr  DF  The Big Lebowski
 Mittwoch  04.11.2015  20:00 Uhr  En. OmU  Der Tod kennt keine Wiederkehr
Was haben Crime-Stories um knallharte Detektive, Femmes Fatales und komplizierte Verschwörungen (also Noir-Filme mit klassischer Hardboiled-Thematik) mit den Hippies und ihrer Gegenkultur gemein? "Something Spanish" würde Doc Sportello, der verwirrte Held aus Inherent Vice, auf diese Frage vermutlich antworten.

Lange bevor die Blumenkinder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit traten, ging Mitte der 50er Jahre die große Zeit der klassischen Noir-Filme zu Ende, da ihre pessimistische Weltsicht aus den 20er bis 30er Jahren nicht mehr zum Optimismus des Wirtschaftsaufschwungs der 50er Jahre passte. Dennoch beeinflussten die "dunklen Filme" noch Generationen weiterer Filmemacher, die sich von ihnen inspirieren ließen und versuchten, das Genre und seine Themen in zeitgenössische Werke zu transportieren. So auch die Regisseure der in dieser Reihe gezeigten Filme, die gezielt Noir-Elemente und Hippie-Thematik kombinierten und den Zusammenprall lustvoll in Szene setzten. Dabei zeigen sich nicht nur Gegensätze, sondern auch unerwartete Gemeinsamkeiten.

Eine solche Gemeinsamkeit sticht schnell ins Auge: Noir-Detektive wie auch viele (Alt-)Hippies hatten Grund zur Resignation, beide hatten den Glauben an eine Veränderung der Gesellschaft verloren. Bei den Noir-Detektiven war diese Entwicklung eine Folge der alles durchdringenden Korruption der zeitgenössischen Gesellschaft. Im Fall der Hippies resultierte die Resignation aus dem Scheitern der Blumenrevolution, an der Beharrlichkeit des Kapitalismus und dem Drogenkater.

Hippies, wie auch Noir-Detektive, teilten somit Gefühle der Resignation, jedoch unterschieden die Charaktere sich ansonsten deutlich: Der Hardboiled-Detektiv resignierte nicht lediglich angesichts der unmoralischen Welt der Prohibitionszeit, sondern er wurde – der Name ist Programm – durch die alltägliche Kriminalität und Gewalt "hartgesotten". Daraufhin reagierte er seinerseits mit Gewalt und Zynismus, zog sich auf seine eigenen Moralvorstellungen zurück und versuchte diese kompromisslos zu leben. Dabei nahm er blutige Kollateralschäden ohne Zögern in Kauf, war sich der Sinnlosigkeit seines Tuns jedoch stets bewusst. Viele Hippies hingegen reagierten nach dem Scheitern ihrer Utopie einer gewaltfreien Gesellschaft mit dem Rückzug ins Private, Anpassung, Drogenrausch oder Hedonismus, nur wenige nahmen den gewaltsamen Kampf auf. Der Grad an gezeigtem Zynismus und Gewaltbereitschaft stellt somit einen markanten Unterschied zwischen Hardboiled-Detektiven und Hippies dar.

Gleichwohl entspringt aus dem gescheiterten Kampf um die eigenen Ideale auch eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Charaktere: Beide standen mit den gesellschaftlichen Regeln und Gesetzen mal mehr, mal weniger offen in Konflikt. Beim Hardboiled-Helden war das eine Folge der kompromisslosen Befolgung seiner eigenen Moralvorstellungen, die ihn häufig gegen korrupte Eliten und Polizisten anrennen ließen, teils auch unter Missachtung der Gesetze. Die Hippies waren aufgrund ihrer politischen Einstellungen und dem Konsum illegaler Drogen ebenfalls Gegner des Systems und seiner Repräsentanten. Sollte man die beiden ungleichen Charaktere also eigentlich als Brüder im Geiste, Kämpfer für die gleiche Sache, ein ideales Team betrachten?

Ein weiterer Gegensatz deutet zumindest auf Konfliktpotenzial für den Fall eines Treffens hin, denn ein Kulturkampf bahnt sich an: Während den Hardboiled-Helden traditionelle Werte, ein ordentliches bis schnarrendes Auftreten sowie harte Männlichkeit mit Knarre, Whisky und gerne auch einem Schuss Frauenverachtung eingeschrieben waren, kultivierten die Hippies Gleichberechtigung, Gewaltlosigkeit, einen lockeren Look, den Gebrauch psychedelischer Drogen und ein entspanntes Verhältnis zu Arbeitsmoral und traditionellen Werten.

Was passiert also, wenn die Grenzen der Genres verschwimmen, wenn die Hippies in die Schuhe der Hardboiled-Helden steigen? Drei Filme (Inherent Vice, The Big Lebowski & Der Tod kennt keine Wiederkehr) versuchen darauf eine Antwort zu geben. Eine andere aktuelle Filmreihe - A Girl, a Gun and a Trenchcoat - biete eine Geschichte des Film noir - eine klassischere Herangehensweise an das Genre.

Text: Phillip Maiwald

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